Allgemein 17.04.2015 | 09:39von Colin McGourty

Auftakt zum Gashimov Memorial mit Anand gegen Carlsen

In der ersten Runde des Gashimov Memorials in Shamkir tritt Vishy Anand mit den weißen Steinen gegen Weltmeister Magnus Carlsen an. Kurz vor Beginn des ersten Supergroßmeisterturniers seit zwei Monaten werfen wir einen Blick auf die Chancen der zehn Teilnehmer. Neben dem klaren Favoriten Magnus Carlsen sollte man die beiden „Veteranen“ und Ex-Weltmeister Vishy Anand und Vladimir Kramnik, aber auch die hungrigen Jungtalente Fabiano Caruana, Anish Giri, Wesley So und Maxime Vachier-Lagrave auf der Rechnung haben.

Vladimir Kramnik zieht die Startnummer 1, während die aktuelle Nummer 1 zusieht! 

Wer die Eröffnungsfeier des Gashimov Memorials verpasst hat, kann sich diese in unserem Video noch einmal ansehen. Vugar Gashimovs Vater und FIDE-Präsident Kirsan Ilyumshinov hielten jeweils eine Rede:

Kommen wir direkt zu den Details. Hier die Paarungen der ersten Runde des Gashimov Memorials 2015:

  • Vladimir Kramnik - Michael Adams
  • Wesley So - Anish Giri
  • Rauf Mamedov - Maxime Vachier-Lagrave
  • Viswanathan Anand - Magnus Carlsen
  • Shakhriyar Mamedyarov - Fabiano Caruana

Die Partien beginnen um 15 Uhr Ortszeit, also um 12 Uhr hiesiger Zeit. Das Turnier beginnt am heutigen Freitag, den 17. April, und ihr könnt alle Partien live auf chess24 mit Computeranalyse, Chat und Kommentaren in Englisch, Russisch oder Aserbaidschanisch (klickt einfach die entsprechende Flagge unter dem Video an) verfolgen. Außerdem könnt ihr euch alle Partien der folgenden Runden ansehen.

Falls ihr nicht immer vor eurem Computer sitzt, könnt ihr die Partien auch mit unseren kostenlosen Apps verfolgen:

         

Die diesjährige Austragung des Gashimov Memorials in Shamkir verspricht noch zu besser werden als die Premiere im Vorjahr. Dies liegt zum einen an der Besetzung, aber auch daran, dass ein einrundiges Turnier mit zehn Spielern fast immer attraktiver ist als ein doppelrundiger Wettbewerb mit sechs Spielern, wie er im Vorjahr stattfand. Mit mehr Spielern und mehr Partien wird es auch mehr Abwechslung geben. Der Nachteil ist, dass es dieses Jahr keine B-Gruppe gibt, aber das stört vermutlich eher die Spieler, die daran hätten teilnehmen können, als den normalen Schachfan.  

Schauen wir uns nun der Reihe nach die Gladiatoren an, die aus insgesamt neun verschiedenen Ländern kommen. Natürlich beginnen wir mit... 

Der Chef

Magnus Carlsen (24, Norwegen, 2863, Nummer 1 der Welt)

Magnus versucht seine Begeisterung über die Startnummer 7 zu verbergen...

Da Carlsen die Zürich Chess Challenge dieses Jahr ausließ, ist es schon über zwei Monate her, dass der Weltmeister zuletzt im Einsatz war. Beim Reykjavik Open war er als Gastkommentator tätig und wurde mit der Frage überrascht, ob er an Gott glaube:

"Magnus Carlsens Reaktion auf die Frage, ob er religiös sei und an Gott glaube."

"Bist du religiös? Glaubst du an Gott? Carlsen: Das Thema ist mir einfach nicht wichtig, womit ich meine Antwort auf die zweite Frage vermutlich schon verraten habe." 

Gemeinsam mit Garry Kasparov machte er einen Ausflug ins norwegische Parlament und seinen Landsmann Martin Ødegaard, der mit 16 Jahren gerade einen Vertrag bei Real Madrid unterschrieben hat, stellte er ein wenig bloß…

"Ihr habt das Brett verkehrt rum aufgestellt."

Zu Carlsens Bewunderern zählt John “A Beautiful Mind” Nash, und jetzt wird auch über ihn ein Film gedreht...

Der Regisseur Benjamin Ree filmte 500 Stunden mit Interviews, um den Dokumentarfilm "Magnus" zu drehen, der 2016 vor dem WM-Kampf in die Kinos kommen soll. | Foto: Moskus Film, VG

...außerdem gibt es diesen Pulli zu kaufen…

"Kommt in den Akersgata Shop, um meine neue Kollektion zu bestaunen."

...und im Vorfeld des Turniers legte er ein kleines Schönwettertraining mit Peter Heine Nielsen, Laurent Fressinet und A.N.Other in Qatar ein, das nicht unbemerkt blieb:

"Magnus Carlsen in Doha! Treffen mit dem Generalsekretär der Olympiade von Qatar."

In Shamkir blieb dann immer noch ein wenig Zeit für letzte Vorbereitungen: 

"Lebe mich ein und warte gespannt auf den morgigen Auftakt in Shamkir!"

Kann es sein, dass Carlsen nach dieser langen Schachpause eingerostet ist? Vermutlich nicht mehr als seine Rivalen, zumal er das letzte Supergroßmeisterturnier gewinnen konnte. Bei der ersten Austragung in Shamkir im Vorjahr gewann er ebenfalls das Turnier, nachdem er zunächst mit den weißen Steinen gegen Mamedyarov und Nakamura gewann, anschließend aber in Runde 4 und 5 gegen Caruana und Radjabov verlor.

Dieses Jahr wird es womöglich noch schwerer, da Carlsen die Startnummer 7 zog und deshalb fünfmal mit Schwarz antreten muss. In der ersten Runde trifft er mit Schwarz auf seinen Vorgänger als Weltmeister, Vishy Anand. Carlsen war über diese Auslosung nicht sonderlich begeistert: 

Die Auslosung ist objektiv betrachtet grässlich für mich. Fünfmal Schwarz und eine schwere Aufgabe gegen Anand in der ersten Runde.

Andererseits verlief die letzte Schwarzpartie gegen Anand gar nicht so schlecht für Carlsen!

Außerdem hat Carlsen gegen einen Spieler Weiß, der nicht nur als Anziehender sehr stark ist – Vladimir Kramnik. Einen Tag vor dem Turnier meinte Magnus Carlsen:

Mein schwerster Gegner ist vermutlich Vladimir Kramnik.

Damit kommen wir zu den…

Veteranen

Vishy Anand (45, Indien, 2791, Nummer 6 der Welt), Vladimir Kramnik (39, Russland, 2783, Nummer 9 der Welt) und Michael Adams (43, England, 2746, Nummer 16 der Welt)

Mit Michael Adams am Spitzenbrett holte Baden-Baden den zehnten Deutschen Meistertitel in Folge. | Foto: Siegfried Haußmann, Schachbundesliga 

Um ein Haar wären drei Ex-Weltmeister an den Start gegangen, doch Veselin Topalov, der ursprünglich zugesagt hatte, sprang noch ab. Michael Adams ersetzt Teimour Radjabov und wird sicher eine gute Rolle spielen. Adams hat in letzter Zeit gute Resultate erzielt und seit seinem Sieg in Dortmund 2013 starke Form gezeigt. Zuletzt war er als Spitzenbrett an Baden-Badens 10. Meistertitel in Folge beteiligt.

Seine einzige Niederlage erlitt er gegen Magnus Carlsen bei den GRENKE Chess Classic.

Auch Vishy Anand ist auf dem Vormarsch. Er gewann 2014 einige große Turniere, hielt gegen Magnus Carlsen im WM-Kampf lange dagegen und gewann anschließend die  London Chess Classic und das Turnier mit klassischen Partien bei den Zürich Chess Classics. Dazwischen lag ein miserables Abschneiden bei den GRENKE Chess Classic, klar ist aber, dass Anand immer noch riesiges Potential hat.

Ähnlich sieht es bei Vladimir Kramnik aus, aber beim Russen muss man weiter zurückgehen, um seinen letzten Sieg bei einem Supergroßmeisterturnier zu entdecken, den er 2011 bei den London Chess Classic errang. Beim Kandidatenturnier 2013 spielte er stark, unterlag dann aber im Tiebreak Magnus Carlsen, worauf ein neues Kapitel der Schachgeschichte begann. 2015 gewann er immerhin das Schnellturnier der Zürich Chess Challenge, verschwand danach aber zwei Monate von der Bildfläche.

Kramnik sorgte bei einer komplizierten Pressekonferenz, bei der die Fragen und Antworten jeweils ins Englische und Aserbaidschanische übersetzt wurden, für ein wenig Spaß.

Als man ihm erzählte, dass Carlsen ihn als harten Gegner bezeichnet hatte, antwortete er vermutlich wahrheitsgemäß:

Das hängt vermutlich damit zusammen, dass ich es bislang geschafft habe, gegen Magnus keine miserable Bilanz zu haben, aber das wird sich vermutlich bald ändern.

Der Turniersieg wäre für Kramnik in jedem Fall ein riesiger Erfolg, und er ist sicher ein Spieler, der die Herausforderung liebt. 

Die jungen Wilden

Anish Giri (20, Niederlande, 2790, Nummer 7 der Welt), Wesley So (21, USA, 2788, Nummer 8 der Welt), Fabiano Caruana (22, Italien, 2802, Nummer 2 der Welt) und Maxime Vachier-Lagrave (24, Frankreich, 2762, Nummer 11 der Welt)

Erstaunlicherweise ist Magnus Carlsen nur der fünftjüngste Teilnehmer in Shamkir, und er weiß natürlich, dass die Konkurrenz auf das kleinste Anzeichen von Schwäche wartet. 

Wird Caruana Carlsens schärfster Rivale in den kommenden Jahren sein? 

Letztes Jahr gab es eine Phase, in der man Caruana in eine eigene Kategorie eingeteilt hätte, aber mittlerweile kann man die Nummer 2 der Welt nur noch als "primus inter pares" einer Gruppe von Spielern bezeichnen, die Magnus Carlsen auf den Fersen ist. In Baden-Baden wurde er Vierter, in Zürich Letzter und in Wijk aan Zee Siebter, während Vachier-Lagrave, Giri und So allesamt lediglich einen halben Punkt hinter Carlsen landeten. Findet Caruana in die Spur zurück oder wird einer der anderen Youngster den endgültigen Durchbruch schaffen?

Kann Anish Giri der nächste Herausforderer werden?

Die nächsten Turniere werden es zeigen. Beim entscheidenden Grand Prix in Khanty-Mansiysk im Mai sind Giri, Caruana und Vachier-Lagrave allesamt dabei, vermutlich hat aber nur Caruana realistische Chancen, sich einen der beiden Plätze im Kandidatenturnier 2016 zu sichern. Auch Vachier-Lagrave is auf dem Weg zum Filmstar  , während sich Anish Giri schon auf seine Hochzeit im Sommer freut!

"Miss Tactics heißt bald Mrs. Giri! Glückwunsch an Sopiko und Anish!"

Wesley So hätte normalerweise eine große Chance, den nächsten Karriereschritt zu machen, doch momentan geht es ihm vermutlich mehr darum, einigermaßen den Laden zusammenzuhalten. Auf seine kampflose Niederlage bei der US-Meisterschaft und seine familiären Probleme wollen wir an dieser Stelle nicht näher eingehen, aber wir müssen zumindest seine Worte aus der Pressekonferenz nach der Eröffnungsfeier zitieren:  

Ich bin einfach nur froh, woanders als in St. Louis zu sein, wo ich das schlechteste Turnier meines Lebens gespielt habe.


Die Lokalmatadoren

Shakhriyar Mamedyarov (30, Aserbaidschan, 2754, Nummer 13 der Welt) und Rauf Mamedov (26, Aserbaidschan, 2651, Nummer 107 der Welt)     

Sowohl Mamedyarov als auch Mamedov schnitten 2014 in Shamkir enttäuschend ab. Mamedyarov landete in der A-Gruppe auf dem letzten Platz, nachdem er gegen Magnus Carlsen und Hikaru Nakamura beide Partien verloren hatte. Mamedov wurde in einem Feld mit zehn Spielern Siebter, aber es handelte sich um die B-Gruppe. In Aserbaidschan wünscht man dem dreimaligen Landesmeister zwar einen starken Auftritt, doch wird es für ihn sicher sehr schwer werden. Mamedov liegt in der Weltrangliste fast 100 Plätze hinter all seinen Konkurrenten, und schon die simple Elo-Logik zwingt diese dazu, gegen ihn auf Sieg zu spielen.

Kommt Mamedyarov dieses Jahr besser mit dem Druck - und den Ablenkungen - in seinem Heimatland klar?

Mamedyarov allerdings kann jeden Gegner schlagen, wie er auch im Vorjahr bewies, als er Caruana mit Weiß schlug. Dasselbe Duell wurde für die 1.Runde in diesem Jahr ausgelost, und wenn Mamedyarov einen guten Start hinlegt, kann für ihn einiges möglich sein.

Weitere Spekulationen ersparen wir uns nun aber und warten lieber gespannt darauf, dass es losgeht! Alle Partien gibt es live auf chess24.

See also:


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