Berichte 13.10.2018 | 12:52von Colin McGourty

Auftakt zum Europacup mit Magnus Carlsen

Die 2800er Magnus Carlsen, Ding Liren und Shakhriyar Mamedyarov sind bei der 34. Austragung des Europacups für Vereinsmannschaften dabei, die gestern im Porto Carras Grand Resort auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki begann. Die Favoriten kamen ohne Probleme durch die erste Runde, doch schon in Runde 2 wird es deutlich spannender zugehen. Magnus Carlsen trifft bei seinem ersten Auftritt auf den Europameister von 2011 Vladimir Potkin, sein Team Valerenga ist dabei leicht favorisiert.

Magnus schaute zu, wie sich sein Team in Runde 1 schlug | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Kaum ist die Olympiade in Batumi vorbei, steht der nächste große Mannschaftswettbewerb auf dem Programm. Der siebenrundige Europacup für Vereinsmeisterschafteen findet jährlich statt und wird dieses Mal im Porto Carras Grand Resort auf der griechischen Halbinsel Chalkidiki ausgetragen:

  • Porto Carras Grand Resort

Mit 61 Mannschaften ist die Beteiligung fast doppelt so hoch wie im Vorjahr in Antalya, doch leider fehlt der Titelverteidiger von 2017 Globus, der damals mit Kramnik, Mamedyarov, Grischuk, Karjakin, Giri, Nepomniachtchi, Korobov und Khismatullin antrat. Vor der letztjährigen Siegermannschaft hat nur Mamedyarov einen Platz in einem anderen Team eingenommen und verstärkt nun das Team Odlar Yurdu, das im Grunde dieselbe Besetzung aufweist wie das aserbaidschanische Nationalteam.

Shakhriyar Mamedyarov will nach dem enttäuschenden Abschneiden Aserbaidschans bei der Schacholympiade Wiedergutmachung | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Favorit ist nun das Team Alkaloid, das Ding Liren, Yu Yangyi, Andreikin, Jakovenko und Eljanov aufgeboten hat, aber AVE Novy Bor (Wojtaszek, Harikrishna, Navara, Vidit), Mednyi Vsadnik (Svidler, Vitiugov, Fedoseev, Matlakov), Obiettivo Risarcimento Padua (Wang Hao, Leko, Vallejo) und der Valerenga Sjakklubb Oslo (Carlsen, Howell, Grandelius) sind harte Konkurrenten.

Klare Favoritensiege

Beim Offenen Turnier werden die Mannschaftskämpfe des Europacups an sechs Brettern ausgetragen, und aus diesem Grund ist es für die schwächeren Teams in der ersten Runde noch schwerer, Widerstand zu leisten. Zu Beginn gab es keine Überraschung, und fünf Duelle endeten gar mit 6:0.

Der Spielsaal während der 1. Runde | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Die Unterschiede waren so groß, dass die Favoriten sich einiges erlauben konnten. Nijat Abasov mit einer Elo von 2627 etwa hatte über 1.000 Elo-Punkte mehr als seine Gegner Kauko Kelo auf dem Konto und kam mit einem Mattangriff schon nach 18 Zügen zum Erfolg. Spielt man die Partie mit dem Computer nach, zeigt sich aber, dass Schwarz seinen Angriff keineswegs perfekt vorgetragen hat. Ein noch dramatischeres Beispiel erlebten die Zuschauer beim Duell zwischen IM Richard Bates (2374) und Nikita Vitiugov (2709) im Match Blackthorne gegen Mednyi Vsadnik. Das spektakuläre 31…Dxd4? (31…Txd4!) warf eigentlich den Gewinn weg:


32.Dxg4! hätte die weißen Grundlinienprobleme gelöst und das Schlagen der schwarzen Dame auf d4 im nächsten Zug ermöglicht. Womöglich hätte Vitiugovs Klasse auch dann noch ausgereicht, um den vollen Punkt zu sichern, doch objektiv wäre die Stellung remis gewesen. In der Partie spielte Bates jedoch mit weniger als einer Minute auf der Uhr 32.Sf4?, und nach 32…Txe3! war die Partie wirklich verloren. 

David Navara ist einer der Spieler, die in Runde 1 gewinnen konnten | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Selbst bei der Suche nach Überraschungen in einzelnen Partien muss man länger durch die Ergebnisliste scrollen, ehe man beim 5:1 von CC Gambit Asseco SSE gegen White Knights Chess Club landet. Den einzigen Punkt der Waliser holte der Spieler Peter Bevan mit einer Elo von 1886, als es schon so aussah, dass er gegen IM Bogdan Podlesnik (2365) eigentlich aufgeben könnte:


Stattdessen fand er aber 46…Dxc6!, wonach sich das Blatt gewendet hat! Natürlich kann die Dame wegen Grundlinienmatts nicht geschlagen werden, und nach 47.Da1 konnte Bevan die Drohung mit 47…e2! erneuern. Weiß machte noch einige Züge, musste aber wenig später aufgeben, da der schwarze e-Bauer ihn die Dame kostete.

Team Magnus

Eines der Spitzenteams, das seinen Gegner nicht vollständig überrannte, war die Mannschaft von Weltmeister Magnus Carlsen, der Valerenga Sjakklubb Oslo. Wie Ding Liren, Peter Svidler, Radek Wojtaszek und andere setzte er in der ersten Runde aus und durfte sich einen der Späße von Anish Giri anhören:

"Wie erwartet setzt Magnus Carlsen in Runde 1 des Europacups aus, aber viele andere Stars sind dabei."

"Giri: In der Tat keine Überraschung, aber Twan Burgs Russische Verteidigung wäre eine harte Nuss gewesen."

Carlsens Stellvertreter David Howell ging Russisch mit 1.c4 aus dem Weg, konnte seinen Mehrbauern gegen Twan Burg aber nicht verwerten. 

David Howell hat gerade mit England den 5.Platz bei der Schacholympiade belegt | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Am 2.Brett verlor der ehemalige, mittlerweile 19-jährige Juniorenweltmeister Aryan Tari sogar seine Partie, sein Gegner Roeland Pruijssers ist aber auch ein starker Spieler (der bei chess24 eine Videoserie über Holländisch und das Jänisch-Gambit publiziert hat).


Taris 28.T2d7?!, das auf der Fesselung des Läufers auf e4 beruhte, war ein bisschen zu clever. Nach 29.Txh3 Te8 30.Te2 Tde7 31.Kd2! Txe4 32.Txh7+ Kc6 33.Txe4 Txe4 34.Th6! hatte Schwarz den Läufer zwar zurückgewonnen, dafür aber einen Bauern verloren. Die Stellung wäre vermutlich noch immer zu halten gewesen, aber Pruijssers gelang es, seinen Vorteil zu verwerten. Dank der großen Elo-Unterschied an den hinteren Brettern konnte Valerenga die restlichen Partien aber gewinnen und einen 4,5:1,5-Sieg einfahren. 

Eine anstrengende Woche liegt hinter Magnus Carlsen, der am Montag gegen den Liverpooler Fußballprofi Trent Alexander-Arnold antrat und dann eine Simultanvorstellung in Hamburg absolvierte. Am Tag darauf war er in Rom zu Gast bei einer Privatveranstaltung für Anwälte, über die Jan Gustafsson auf VGTV berichtete:

Jan fragte Magnus über sein Verhältnis zu Fabiano Caruana:

Er ist ein netter Kerl, aber ich bin mit meinen Konkurrenten nicht befreundet - so funktioniere ich nicht! 

Außerdem wurde Magnus von Jan gefragt, warum er statt an der Olympiade am Europacup teilnehme:

Ich dachte, dass der Druck geringer ist und das Turnier ein wenig kleiner und kürzer ist... außerdem passt es besser in meine Pläne. 

Für Carlsen beginnt das Turnier in Runde 2, wenn der Nummer 5 des Turniers Valerenga gegen die Nummer 7 Molodezhka bereits ein schweres Gefecht bevorsteht:


Der Vereinsname bedeutet auf Russisch “Jugend”, und abgesehen vom 36-jährigen Ex-Europameister Vladimir Potkin sind die russischen Spieler Paravyan (20), Yuffa (21), Chigaev (21), Antipov (21), Lomasov (16) und Golubov (17) tatsächlich alle noch sehr jung. Valerenga hofft darauf, dass David Howell und Nils Grandelius ihre gute Form von der Olympiade konservieren konnten, während Carlsen gegen einen Spieler antreten muss, der ihn bei der WM 2014 gegen Vishy Anand in Sotschi noch unterstützte.   

Vladimir Potkin muss mit Schwarz gegen den Weltmeister antreten | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Magnus Carlsen verzichtete auf die Olympiade | Foto: Niki Riga, Turnierseite

Es geht um einiges, denn bei einer Niederlage würde Magnus zum ersten Mal seit sieben Jahren nicht mehr Platz 1 in der Weltrangliste belegen. Seine Meinung dazu äußerte er in Rom:

Einerseits hat er nur symbolischen Wert, er ist aber auch seit einigen Jahren Teil meiner Person… Ich möchte den WM-Kampf nicht als Nummer 2 bestreiten.

Valerenga-Molodezhka ist sicher eines der spannendsten Duelle dieser Runde, aber es lohnt sich auch die ersten Auftritte von Ding Liren, Peter Svidler und einigen anderen Top-Spielern zu verfolgen. In einem geradezu nostalgischen Duell fordert Jon Speelman den Ex-Weltmeister Alexander Khalifman heraus. Bei den Frauen, bei denen dieses Jahr die beiden letzten Runden im KO-System ausgetragen werden, kommt es in Runde 2 bereits zu einem Duell zweier Favoriten.

Auch bei den Damen fehlen einige bekannte Teams, aber dafür ist Cercle d'Echecs de Monte-Carlo mit Pia Cramling, Deimante Cornette, Almira Skripchenko, Monika Socko und Anna Muzychuk (nicht auf dem Bild) wieder dabei| Foto: Niki Riga, Turnierseite

Alle Partien könnt ihr live auf chess24 verfolgen! Offenes Turnier | Frauen

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