Interviews 07.05.2014 | 16:11von Colin McGourty

Aronian: Carlsen wird trotzdem gewinnen

Die Nummer zwei der Weltrangliste, Levon Aronian, war einer der Favoriten beim Kandidatenturnier 2014 und für die Qualifikation zum Weltmeisterschaftskampf gegen Magnus Carlsen. Stattdessen beendete der Armenier das Turnier allerdings auf dem enttäuschenden 6. Platz. In einem Interview erklärte er vor Kurzem, was schief lief und gab eine Prognose für das anstehende Match zwischen Carlsen und Anand ab.

Das Kandidatenturnier gab Aronian viel Stoff zum Nachdenken | Foto: Kirill Merkuriev, Offizielle Website Kandidatenturnier

Obwohl Aronian schlechtestmöglich mit einer Niederlage gegen Viswanathan Anand in das Kandidatenturnier startete, konnte er sich bis zur siebten Runde mit 4,5/7 und geteilter Führung mit Anand zurückkämpfen. Als erstes Entscheidungsspiel war ihre Begegnung in Runde 8 allerdings absolut kritisch. Und an diesem Punkt ging Aronian zufolge alles schief...

Aronian sprach mit Zhanna Pogosyan vom wöchentlich erscheinenden Chess in Armenia-Magazine (der Text ist als Word-Dokument auf der Website des Armenischen Schachverbands verfügbar). Wir haben einige der Highlights übersetzt.


Levon, das Turnier ist vorbei, aber der Grund für dein Scheitern bleibt für viele ein Rätsel. Was ist deine Erklärung?

Schwer zu erklären, aber kurz gesagt: Ich konnte einfach nicht die Art von Stellungen erhalten, in denen ich meine Qualitäten am besten zeigen kann. Es gibt nicht viel Positives vom Turnier mitzunehmen, da ich nicht gut gespielt habe und für weitere zwei Jahre nicht um die Weltmeisterschaft kämpfen kann. Auf der Habenseite werde ich jede Menge Zeit haben, mich gut vorzubereiten. Um solche Turniere zu gewinnen, muss man viel Arbeit investieren. Khanty-Mansiysk war für mich eine Lektion, da Erfahrung für solch starke Turnier sehr wichtig ist.

Kandidatenturnier 2014 Endstand

NameRtgFED12345678PtsResWSB
1Anand Viswanathan2770IND½ ½½ ½1 ½½ ½1 ½½ ½½ 10357.25
2Karjakin Sergey2766RUS½ ½0 1½ ½½ ½0 1½ 1½ ½0351.75
3Kramnik Vladimir2787RUS½ ½1 01 ½½ ½½ ½½ 00 17349.25
4Mamedyarov Shakhriyar2757AZE0 ½½ ½0 ½1 ½0 11 ½½ ½72348.00
5Andreikin Dmitry2709RUS½ ½½ ½½ ½0 ½½ 10 ½1 ½7248.50
6Aronian Levon2830ARM0 ½1 0½ ½1 0½ 01 ½½ ½345.00
7Svidler Peter2758RUS½ ½½ 0½ 10 ½1 ½0 ½1 0½346.00
8Topalov Veselin2785BUL½ 0½ ½1 0½ ½0 ½½ ½0 160242.25

Meine größten Fehler unterliefen mir in meiner zweiten Partie gegen Anand und in den letzten beiden Partien des Turniers. In der 13. und 14. Runde war bereits klar, dass es für mich nicht reichen würde. Ich kann nicht sagen, dass ich schlecht gespielt habe. Aber es gab schlicht einige simple Dinge, die ich nicht bemerkte. Obwohl sie für mich offensichtlich sein sollten.

Was Anand betrifft, so wurde ich von der zweiten Partie gegen ihn beeinträchtigt. Meines Erachtens hatte die Niederlage in der ersten Runde keine Auswirkungen auf mich, aber in der zweiten unterlief mir ein strategischer Fehler.

Aronian-Anand in Runde 8 — die Partie, in der das Turnier für Aronian kippte | Foto: Kirill Merkuriev, Offizielle Website Kandidatenturnier 2014

Du meinst den Zug 3. Db3, der dir, wie du Journalisten gegenüber meintest, in einem Traum erschien?


Ich spielte den Zug in der Hoffnung, eine interessante Partie zu erhalten. Und interessant war sie auch, denn die Stellung war wirklich ziemlich bemerkenswert. Aber irgendwann, ich weiß nicht warum, hielt ich meine Stellung für schlecht. Ich bereue, kein Risiko eingegangen zu sein, denn ein Remis entsprach für mich in dieser Partie einer Niederlage. An diesem Punkt des Turniers hätte ich alles risikieren und ein Opfer wagen sollen. Aber mir entging die Bedeutung des Moments und dann war es zu spät. Ich hätte einfach weiterspielen sollen, ohne mir weitere Gedanken zu machen. Aber während eines Turniers denkt man immer, man habe genug Zeit, vorsichtig zu spielen. Man geht daher keine Risiken ein, was sich rächen kann. Das hätte mir klar sein müssen, aber stattdessen ging meine Strategie nach dieser Partie völlig schief.


Trotz Aronians Mehrbauer endete die Partie in dieser Stellung nach 19. Sd2 aufgrund dreimaliger Stellungswiederholung im Remis.

Was war der Hauptgrund für deine Fehler: Anspannung, deine körperliche und geistige Verfassung oder vielleicht die Stadt selbst?

Ich denke nicht, dass Anspannung eine Rolle gespielt hat. Denn jeder fühlte die Anspannung. Ich spiele wirklich gerne in Khanty-Mansiysk und während des Turniers unterstützten mich die Armenier in jeder Weise und halfen mir, bestmöglich zu spielen. Meine körperliche Verfassung war gut, aber mentale Schwierigkeiten behinderten mich. Ich dachte über Dinge weit abseits des Schachs nach. Es gab aber auch rein schachliche Fehler was die Strategie angeht. Ich versuche stets, verschiedene Herangehensweisen an Turniere und Partien zu überdenken. Insgesamt aber denke ich nicht, dass ich schlecht gespielt habe. Während der letzten beiden Partien war ich sauer auf mich selbst wegen der Fehler in vorigen Partien. Abgesehen von diesen beiden Partien habe ich aber nicht schlecht gespielt. Oder, um genau zu sein: Ich habe schlecht gespielt, aber nicht allzu schlecht (lächelt).

Aronian beendete das Turnier mit Niederlagen gegen Dmitry Andreikin und Sergey Karjakin | Foto: Kirill Merkuriev, Offizielle Website Kandidatenturnier

Hast du mit Anands Sieg gerechnet? Hast du ihn im Vorfeld als starken Rivalen betrachtet?

Nein, ich hatte nicht damit gerechnet, dass er so gut spielt. Es sah aus, als hätte er zu viele Probleme. Es kann aber sein, dass jemand, der gerade etwas wertvolles verloren hat - in diesem Fall die Weltmeisterschaft - entspannt und freier aufspielt. Vor dem Turnier hielt ich Kramnik für meinen stärksten Gegner.

Wer wird deiner Meinung nach den Kampf Anand-Carlsen gewinnen? Und wessen Sieg wäre dir lieber?

Ich denke, dass Carlsen trotzdem gewinnen wird. Abgesehen davon wäre es gut für mich, wenn sich Anand und Carlsen beide irgendwann vom Schach zurückziehen würden (lacht). Aber das ist noch lange nicht so weit. Zuerst muss ich an mir selbst arbeiten und dann die Qualifikation überstehen. Natürlich bin ich ein Optimist, aber man muss realistisch sein.

Zhanna Pogosyan
Chess in Armenia, Nr. 20 (1119), 2014


Zum Weiterlesen:


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Guest 8667122008
 
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