Interviews 18.09.2015 | 09:47von Colin McGourty

Aronian über sein Ausscheiden beim Weltcup und vieles mehr

Levon Aronians frühes Ausscheiden beim Weltcup in Baku war sowohl ein Schock als auch eine Enttäuschung für das Turnier. Die armenische Nummer 1 behielt in einem Interview mit der lokalen Webseite Extra Time jedoch seinen guten Humor. Er erklärte, wie ein Blackout in einem einzigen Zug seiner Turnierteilnahme ein Ende setzte und gab zu Protokoll, dass er sich mit Magnus Carlsens Vorschlag für ein zukünftiges Weltmeisterschafts-Format durchaus anfreuen könnte...aber nur wenn es die Möglichkeit gibt, sie wie beim Poker nach einer Niederlage neu in das Turnier einkaufen zu können!

Levons T-Shirt verkündete bereits seinen Plan, der in Baku aber nicht ganz funktionierte...  | Foto: official website

Wir haben gestern berichtet, wie Levon Aronian mit 2:0 im Schnellschach bei den Stichkämpfen der zweiten Runde gegen den ukrainischen Großmeister Alexander Areshchenko verloren hat. Mit diesem Thema beginnt auch das Interview mit Extra Time, das wir für euch aus dem Russischen übersetzt haben:


Was ist im Stichkampf gegen Alexander Areshchenko passiert?

The World Cup ended here for Aronian | photo: official website

In der ersten Schnellschachpartie habe ich etwas eingestellt und in der zweiten Partie zu kühn gespielt. Der Fehler in der ersten Partie war natürlich schrecklich. Man könnte sogar sagen, dass es ein beschämender Fehler war.

Dachtest du nach deiner ersten Schnellschachpartie, dass es problematisch wird, dich noch einmal zurückzukämpfen?

Nein, solche Gedanken habe ich nie - ich bin immer zuversichtlich. In der Partie ist aber etwas schief gelaufen. Vielleicht habe ich den Zug b4 zu früh gespielt, wonach ich nicht mehr genug Ressourcen hatte, den Kampf kompliziert zu halten. Natürlich musste ich in das Remis einwilligen...aber ich wollte mich nicht voreilig in mein Schicksal fügen.

Es scheint mir, als hätte es nur an einem Fehler gelegen. Ein Blackout. Der Weltcup ist ein Turnier, bei dem ein Fehler eben bedeutet, dass das Turnier vorbei ist.

Können wir festhalten, dass der aktuelle Weltmeisterschafts-Zirkel für dich vorbei ist? Oder hast du noch Chancen, um die Krone in der Schachwelt zu kämpfen?

Ich verliere nie die Hoffnung. Wenn ich mich nicht irre, gibt es noch Turniere, an denen ich teilnehmen sollte.

Es scheint, dass du nach deinem Ende beim Weltcup das Gefühl hast, dass noch nicht alles gesagt ist...

Ich habe ein Gefühl...Hier könnte man eine Menge zur Veröffentlichung ungeeignete Wörter ergänzen. (grinst) Die wären aber nur an mich selbst adressiert. 

Welchen Eindruck hat die Organisation des Weltcups in Baku auf dich gemacht?

Die Turnierorganisation war exzellent. Es scheint mir, dass alle armenischen Schachspieler zufrieden waren, dass sie gut behandelt wurden und es absolut keine Probleme gab. Das einzige Problem waren wir selbst, da wir es als Schachspieler gewöhnt sind, für einen Spaziergang oder einen Lauf auf die Straße zu gehen. Das hatte natürlich einen Einfluss. Die Organisatoren haben alles dafür getan, damit das möglich ist, aber wir wollten es von uns aus nicht. 

Im nächsten Jahr wird die Schacholympiade in Baku stattfinden. Es scheint keinen Zweifel zu geben, dass sich unter den teilnehmenden Mannschaften auch ein armenisches Team befinden wird?

Die Schacholympiade wird erst in einem Jahr stattfinden und somit kann das in meinen Augen nicht ausgeschlossen werden. In jedem Fall wäre ich aber froh, nach Baku zurückzukehren und Schach zu spielen. Schach ist sehr beliebt in Aserbaidschan. Das ist eindeutig und die Spieler sind stark. 

Übrigens, die USA und Aserbaidschan haben sich kürzlich personell sehr verstärkt. Plant das armenische Team auch einen solchen Schritt?

Unsere generelle Politik besteht darin, Spieler armenischer Herkunft, die für unser Land spielen können, anzuziehen. Dafür könnte man sagen, dass wir auf das Erscheinen eines armenischen Schachspielers aus einem anderen Land warten (grinst). 

In den USA gibt es beispielsweise Schachspieler wie Samuel Savian, der von Teimour Radjabov in der ersten Runde geschlagen wurde), Varuzhan Akobian...

Ich weiß nicht...wir werden sehen. Im Moment ging es keine solchen Pläne.

Wie schwer wird es deiner Meinung nach für den Herausforderer werden, Magnus Carlsen die Schachkrone wegzunehmen?

Magnus ist ein sehr starker Schachspieler, aber ich denke, dass viele Spieler danach streben, ihm die Schachkrone wegzuschnappen. Momentan sitzt die Krone ziemlich fest auf seinem Kopf, aber es scheint mir, dass alle Schachspieler im Herzen ihrer Herzen fühlen, dass ihre Zeit gekommen ist. 

Wenn ich nur so unbeständig wie er spielen würde (lacht). Er gibt viele starke Spieler, die in der Lage sind, ihm ernsthaft Konkurrenz zu machen. Es ist schwer zu sagen. Es gibt Spieler, die nicht so stark sind, aber dennoch aktuell sehr stark spielen. Und es gibt starke Spieler, die...in der zweiten Runde verlieren (lacht). Ich spiele traditionell schlecht gegen Magnus, aber aus einem bestimmten Grund. Ich kann einfach nicht glauben, dass er mich schlagen kann, aber von Zeit zu Zeit zwingt er mich, das zu glauben. Er spielt wirklich stark und findet oftmals unerwartete Ressourcen, die dazu führen, dass man ihn für unbesiegbar hält. Wenn ein Spieler nicht eine sehr gute Verteidigungsfähigkeit besitzt, quetscht Carlsen ihn aus.

How can Magnus beat me? | photo: official website

Es wäre interessant, deine Meinung zu Magnus Carlsens Vorschlag zu einem neuen Modus für die Weltmeisterschaft zu hören. Er schlägt ein K.O.-System wie beim Weltcup vor. Nachdem du die zweite Runde beim Weltcup in Baku verloren hast, bist du vermutlich gegen einen solchen Vorschlag?  

Nein, warum? Generell denke ich schon, dass der stärkste Spieler den Weltcup gewinnen wird. Man kann natürlich nicht bestreiten, dass es einen gewissen Glücksfaktor gibt. Daher sollte man ein System wie bei Pokerturnieren einführen, bei denen man sich nach einer Niederlage neu einkaufen kann. Dadurch kann man zweimal eliminiert werden, wie Alexander Khalifman einst vorgeschlagen hat. Das würde verhindern, dass man durch einen einzigen Fehler ausscheidet. Mit einem solchen System könnte man eine Weltmeisterschaft spielen. 

Zurück zum Weltcup in Baku, wie schätzt du die Aussichten für die aserbaidschanischen Schachspieler Radjabov, Mamedyarov und Guseinov, die noch im Rennen sind, ein?

In meinen Augen spielen alle drei Spieler exzellent. Auf heimatlichem Boden sollten sie ihre Fans begeistern.

Es war eine große Überraschung, dass Gadir Guseinov den starken David Navara in der zweiten Runde geschlagen hat...

Die Sache ist, dass aserbaidschanische Spieler - ich rede hier nicht über Radjabov und Mamedyarov, sondern die anderen Spieler - in jüngster Zeit deutlich an Spielstärke dazugewonnen haben. In meinen Augen liegt das größtenteils an Alexander Khalifman, der großartige Arbeit für die aserbaidschanischen Spieler geleistet hat. Ich erinnere mich sogar daran, dass Rauf am ersten Brett für Aserbaidschan gespielt und sehr gute Leistungen gezeigt hat. Man muss wissen, dass eine große Schwachstelle vieler Schachspieler aus dem Kaukasus darin liegt, dass sie faul sind und originell spielen, ohne besonders große Eröffnungskenntnisse zu haben. Das hilft allerdings nicht immer und man kann mit dieser Einstellung nicht immer gute Partien abliefern. Die Anwesenheit eines erfahrenen Trainers, die viel Eröffnungswissen hat und den Spielern sehr viel bieten kann, ist ein großer Vorteil. Das zeigt sich sowohl in Gadirs jüngsten Erfahrungen beim Weltcup, als auch in Raufs Ergebnissen bei den letzten Turnieren. 

Levon did finally manage to walk around Baku after his exit | photo: Extra Time / World Cup press centre

See also:


Sortieren nach Datum (absteigend) Datum (absteigend) Datum (aufsteigend) meiste Likes Benachrichtigung bei neuen Kommentaren

Kommentare 0

Guest
Guest 8221994122
 
chess24 beitreten
  • Kostenlos, Schnell & Einfach

  • Sei der Erste, der kommentiert!

Registrieren
oder

registriere dich und leg los!

Mit einem Klick auf 'Registrieren' stimmst du unseren Nutzungsbedingungen zu und bestätigst, dass du unsere Datenschutzrichtlinie und den Abschnitt über die Verwendung von Cookies gelesen hast.

Lost your password? We'll send you a link to reset it!

Nach der Übermittlung deiner E-Mail-Adresse erhältst du von uns eine E-Mail mit einem Link zum Zurücksetzen des Passworts. Wenn du dann weiterhin nicht auf deinen Account zugreifen kannst, melde dich bitte beim Kundendienst.

Welche Funktionen möchtest Du aktivieren?

Wir respektieren Deine Privatsphäre und Datenschutzbestimmungen. Einige Komponenten erfordern das Speichern von personenbezogen Daten in Cookies oder dem lokalen Speicher.

Show Options

Hide Options