Allgemein 03.06.2020 | 14:26von IM Nima Javanbakht

Alireza Firouzja und das iranische Schacherbe

Iran ist ein fester Bestandteil der Schachgeschichte, was sich schon an einigen Begriffen wie „Schachmatt“ zeigt, die vom Persischen abgeleitet sind. Doch nicht nur vor langer Zeit, sondern auch in den letzten Jahren spielt Iran im Schach eine große Rolle: wie Indien bringt das Land einige starke Nachwuchstalente hervor. Parham Maghsoodloo gewann 2018 den Junioren-Weltmeistertitel, während der 16-jährige Alireza Firouzja schon heute als potentieller Titelträger bei den Erwachsenen gehandelt wird. IM Nima Javanbakht schaut sich im neuesten Beitrag der Aktion #HeritageChess, die von der Lindores Abbey Preservation Society unterstützt wird, die iranische Schachgeschichte seit dem 12. Jahrhundert an.


Der Ursprung des Schachspiels ist nach wie vor umstritten; unbestritten ist in der Literatur aber, dass Iran (Persien) bei der Entwicklung und der Weitergabe an andere Länder eine wichtige Rolle spielte. Schach oder "Chatrang", wie es auf Persisch heißt, und was sich im  Arabischen zu "Shatranj" entwickelt hat, ist seit über 1.000 Jahren ein fester Bestandteil des iranischen Lebens und der iranischen Literatur. Das persische Erbe lässt sich in einigen Schachbegriffen nachvollziehen, die heute noch benutzt werden.

Shams Tabrizi, der geistige Führer von Mawlana (Rumi), auf einer Darstellung aus dem Jahr 1500| Foto: Wikipedia

·         “Shah mat”: “Checkmate” im Englischen, “Schachmatt” auf Deutsch

·         “Rokh”: “Rook” im Englischen, “Roque” im Spanischen

·         “Farzin”: “Alferza” auf Spanisch, “Ferz” auf Russisch: die Dame

·         “Pil”: “Alfil” auf Arabisch und Spanisch: der Läufer

Das Schachspiel hat in Iran eine lange Tradition. In diesem Artikel werden wir kurz darauf eingehen, wie sich das Profischach in Iran von der Mitte des 20. Jahrhunderts bis heute entwickelt hat. Ich könnte eine Dissertation über diese Entwicklung schreiben, da viele Männer und Frauen, Trainer, Schiedsrichter, Politiker und Journalisten dazu beigetragen haben, doch dies ist einfach nur ein Artikel, in dem einige erwähnt werden können und andere nicht. 

Iran hat eine Fläche von 1.628.550 qkm und 2020 rund 83 Millionen Einwohner | Bild: Worldometers

Die FIDE wurde schon 1924 gegründet, aber Iran hatte bis 1950 keinen offiziellen Schachverband. Erst 1952 wurde der iranische Verband FIDE-Mitglied. Dies kann man als Geburtsstunde des professionellen Schachs in Iran bezeichnen. Yousof Safvat(1931-2003) war in den späten 1950er-Jahren der erste nationale Meister und er war 1956 in Moskau auch bei der ersten Schach-Olympiade dabei, an der sich Iran überhaupt beteiligte.

Neben ihm spielte auch Abdolhossein Navabi(1920-2010) für das iranische Team. Abdolhossein Navabi gilt als Vater des professionellen Schachs im Iran, da er als Präsident des Verbandes in den Jahren 1968 bis 1978 Turniere organisierte und verschiedene Unterstützungen anbot. Als Ergebnis seiner Anstrengungen brachte Iran 1975 mit IM Khosro Sheikh Harandi (1950-2019) seinen ersten IM hervor, der beim Zonenturnier in Teheran den ersten Platz belegte. Zum ersten Mal konnte man von einer Sternstunde des iranischen Schachs sprechen.

Yousof Safvat (1931-2003), der erste Iranische Schachmeister | Foto: Wikipedia

Abdolhossein Navabis Einfluss war mit dem Ende seiner Präsidentschaft nicht vorbei. Er veröffentliche zwei Bücher: eine Übersetzung von „Denke wie ein Großmeister“ von Alexander Kotov, die fast alle iranischen Topspieler gelesen haben, und das Buch „Iranischer Schachkurs“, den er einigen großen Spielern und Präsidenten wie Florencio Campomanes widmete.

Abdolhossein Navabi (1920-2010) widmete sein Buch Florencio Campomanes (1927-2010) | Foto: achmaz.ir

Direkt nach der Islamischen Revolution 1979 gerieten die Schachspieler in Zugzwang. Schach wurde zum Glücksspiel erklärt und als „haram“ bezeichnet, was zur Folge hatte, dass alle Schachbretter, Schachbücher und Turnier zwischen 1981 und 1988 verboten waren. Sich von diesen sieben Jahren zu erholen, war nicht einfach. Erst 1990 konnte der Iran dank der Freundschaft zwischen Abdolhossein Navabi und Florencio Campomanes wieder in die FIDE zurückkehren. Dieses Jahrzehnt war vermutlich die düsterste Phase des Schachs im Iran und ruinierte die Karrieren vieler talentierter Spieler.

Wie schnell sich die Dinge ändern können, zeigen einige historische Ereignisse. 1990 konnte das iranische Team erstmals nach der 22. Schach-Olympiade in Haifa 1976 wieder in Novi Sad am wichtigsten Mannschaftswettbewerb teilnehmen. 1976 durften die Iraner noch nach Israel reisen, doch Jahre später durften sie nicht einmal mehr gegen einen israelischen Spieler antreten. Trotz der Fortschritte seit den 1990ern sind diese Schatten immer noch nicht völlig verschwunden. Die Spieler haben immer wieder Probleme mit der Politik, mit Einreiseschwierigkeiten, Sponsoren- und Trainermangel sowie schlechtem Internet.

Wo stünde Iran ohne die Jahre der Dunkelheit? | Foto: wallpaperflare.com

Obwohl Iran sich ab 1990 sukzessive von dieser Zeit ohne Schach erholte, litten Spieler wie IM Khosro Sheikh Harandi unter den Folgen und konnten nicht das Maximum aus ihren Fähigkeiten herausholen. Ich bezeichne ihn aber stolz als den Vater von gleich zwei iranischen Profigenerationen, da fast alle unsere heutigen Topspieler zumindest von ihm gelernt haben, wie sie ihre Zukunft erfolgreich gestalten können.

IM Khosro Sheikh Harandi (1950-2019), der einflussreiche Mentor fast aller iranischen Schachprofis seit 1990 | Foto: Reza Mahdipour

Oft wird vergessen, wie wichtig Schachzeitschriften und –bücher für die Schachgemeinschaft sind. Kazem Mortazavi bringt eine Monatszeitschrift mit dem Titel “Mahname Shatrandj” heraus, die seit 1990 die einzige vernünftige Quelle für Nachrichten, Turniere und sonstige Infos ist. Er war zudem ein guter Ratgeber für viele Sechs- bis Zwölfjährige, die heute Topspieler sind, wie GM Alireza Firouzja.

Kazem Mortazavi (Jahrgang 1946) und seine Monatszeitschrift “Mahname Shatrandj” mit dem damals 12-jährigen Alireza Firouzja auf dem Cover | Fotos: achmaz.ir und pedaropesar.com

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts (2001) wurde GM Ehsan Ghaemmaghami der erste iranische Großmeister und einige Jahre später (2004) folgte mit WGM Shadi Paridar die erste Frauen-Großmeisterin. Damit begann eine neue Ära für das iranische Schach, da ihre Leistungen auch die Aufmerksamkeit der nationalen und internationalen Medien erregten und den Iran zu einem Schachzentrum im Mittleren Osten werden ließen. Das rief Sponsoren auf den Plan, die Turniere und Ligen veranstalteten, an denen viele ausländische Spieler teilnahmen, die wiederum ihre unbezahlbare Erfahrung mitbrachten. Außerdem hatten Ehsan und Shadi Einfluss auf die Behörden und sorgten dafür, dass nicht nur für bekannte Spieler Meisterschaften und Trainingslager ausgerichtet wurden, sondern auch für Schüler und Studenten jeglichen Alters. Auf diese Weise wuchs die Schachgemeinde erheblich an und die iranischen Teams holten in der Folge bei Asien- und Weltmeisterschaften viele Medaillen. Leider waren diese Fortschritte wegen einer brutalen Wirtschaftskrise und Inflation nur von kurzer Dauer. Nach 2012 zogen sich viele internationale GM aus der iranischen Liga zurück, und selbst die nationalen Olympiaden wurden verschoben oder abgesagt.

GM Ehsan Ghaemmaghami (Jahrgang 1982), ist iranischer Rekordmeister, das Foto wurde 2011 im Rahmen einer Simultanvorstellung in Teheran aufgenommen | Foto: Mazyar Nikkholgh, bultannews.com

WGM Shadi Paridar (Jahrgang 1982), die erste iranische Frauengroßmeisterin | Foto: borna.news

Dank verbesserter Technik und des Internets konnten sich die Schachspieler untereinander besser vernetzen. Reza Mahdipour gründete 2007 die Internetseite Achmaz, die sich rasch zur ersten Quelle für alle iranischen Schachfans entwickelte. Bis heute ist die Seite eine tägliche Anlaufstelle für jeden Schachspieler und eine Quelle für verschiedenste Informationen.

Reza Mahdipour (Jahrgang 1984), FIDE-Schiedsrichter und Manager von Achmaz.ir

Früher scheute sich der Verband, junge erfolgreiche Spieler in das Nationalteam einzubauen, um kein Risiko einzugehen. Dies änderte sich 2014 dramatisch und beschleunigte sich noch, als der 16-jährige GM Parham Maghsoodloo 2016 den Großmeistertitel verliehen bekam. Seine Elo schoss in die Höhe und bald löste er auch Ehsan als langjährige Nummer 1 des Landes ab. 2017 und 2018 wurde er Iranischer Meister, und 2018 holte er zudem den Junioren-Weltmeistertitel, jeweils mit herausragenden Ergebnissen. Heute besteht das Nationalteam aus einer Mischung von 15- bis 25-Jährigen. Parham ist mit aktuell 2676 bester Iraner und die Nummer 61 der Weltrangliste. Vor ihm liegt eine große Zukunft, denn er ist immer noch erst 20 Jahre alt.

GM Parham Maghsoodloo (Jahrgang 2000), aktuell bester Iraner auf der Eloliste der FIDE | Foto: Vysotsky, Wikipedia

Obwohl an vielen Stellen des Landes immer noch die landläufige Meinung vorherrscht, dass Schach vor allem etwas für Männer ist, zeigte IM Sarasadat Khademalsharieh, wie erfolgreich auch Frauen sein können. Sara holte 2013 den WGM-Titel und ist seitdem die iranische Nummer 1 der Frauen. 2015 wurde sie zudem IM, und ist aktuell mit 2494 Elo die Nummer 13 der Frauenweltrangliste. Sara ist die iranische Topspielerin und wird sicher bald auch den GM-Titel holen. 

IM Sarasadat Khademalsharieh (Jahrgang 1997) holte bei der FIDE-WM 2018 im Blitz und Schnellschach jeweils Silber und wurde als beste Frau ausgezeichnet | Foto: tehrantimes.com

Alireza Firouzja

Seit 2016 gilt GM Alireza Firouzja, der am 13. Juni 2003 in Babol geboren wurde, als Wunderkind. Ich habe im September 2015 in der Iranischen Superliga gegen ihn gespielt, als er als 12-Jähriger schon über 2300 Elo hatte. Ich verlor, und die Art und Weise, wie er spielte, brachte mich dazu, die Partie im “Mahname Shatrandj” zu veröffentlichen. Damals wurde mir klar, dass Alireza ein furchtloser Spieler ist, und ich gebe die Partie hier gern noch einmal wieder.  

1. . d4 ♘f6 2. c4 g6 3. ♘c3 d5 4. ♘f3 ♗g7 5. h4⁈ Ich wollte meinen Gegner mit dieser Variante überraschen. Die Idee ist jedoch vor allem gegen einen brillanten Nachwuchsspieler unlogisch. Wie man sieht, steht Schwarz bald mit seinen beiden Läufern etwas besser.

5. cxd5 ♘xd5 6. e4 ♘xc3 7. bxc3 c5 Das wäre die Hauptvariante gewesen.

5... c6 6. ♗g5 dxc4 7. ♗xf6

7. e4 ♗e6 8. e5 ♘d5 9. h5 ♘xc3 10. bxc3 ♘d7=/+ mit schwarzem Vorteil.

7... exf6 8. e3 ♗e6 9. ♘d2 b5 10. a4 b4 Anstatt sich zu verteidigen, schiebt Alireza seine Bauern vor und spielt dynamisch. Die Initiative ist immer wichtig.

11. ♘e2 f5 12. ♘f4 c3 13. bxc3 bxc3 14. ♘f3 ♗d5 Ein schneller Vergleich der Figuren zeigt, dass die schwarzen Figuren besser harmonieren und für das Mittelspiel bereitstehen, während noch nach einer Strategie sucht, um den geopferten Bauern zurückzugewinnen.

15. ♖c1⁈

15. ♘xd5⌓ ♕xd5 16. ♕c2 O-O 17. ♕xc3 c5= mit gleichen Chancen.

15... O-O 16. h5

16. ♖xc3 ♕a5 17. ♕d2 ♕xa4∓

16... ♕a5⁈

16... c5⌓=/+

17. ♗d3?

17. ♕c2 ♘a6 18. ♕xc3 ♘b4→ Schwarz hat die Initiative, aber Weiß hält sich.

17... ♘d7 18. h6 Mit diesem Zug bot ich Remis an, aber ohne Rücksicht auf die Mannschaft, die Elo und das Alter lehnte er ab und spielte weiter. Das zeigt seinen Charakter und seinen Drang, langfristige Fortschritte zu erzielen.

18... ♗f6 19. O-O ♘b6∓ 20. ♘e5 ♖ac8⁈

20... ♗g5⌓ 21. ♘xd5 ♘xd5∓ (21... cxd5? 22. ♗b5!= ) 22. ♘xc6? ♕b6 23. ♘e5 ♘xe3−+

21. ♕c2 ♗xe5 22. dxe5 ♖ce8 23. ♗xf5 ♖xe5 24. ♗d3= Obwohl hier ausgeglichen hat, steht Schwarz wegen der harmonischeren Figuren und der Schwäche des Bauern h6 angenehmer.

24... ♖fe8 25. ♖a1 Jetzt seid ihr dran! Findet die beste Chance für Schwarz!

25. ♕xc3⌓ Angesichts meiner Zeitnot war Dxc3 mit Vereinfachungen erforderlich. 25...♕xc3 26. ♖xc3 ♘xa4 27. ♖a3 ♘c5 28. ♗e2+/=

25... ♕b4! Db4-Df8-Dxh6 mit Angriff auf der h-Linie war die Idee, die ich übersehen hatte.

26. ♖fb1 ♕f8 27. a5 ♘d7 28. ♘xd5 ♖xd5 29. ♕xc3 ♕xh6 30. ♕xc6

30. ♗e2= Der einzige Zug, mit dem Weiß dank folgendem Lf3 die Diagonale h1-a8 und die Partie halten kann.

30... ♖h5

30... ♖xd3⌓ 31. ♖d1 ♕g7! Schwarz konnte mit dem subtilen Dg7 ohne gegnerische Chancen gewinnen. 32.♖ac1 ♖xd1+ 33. ♖xd1 ♖e7 34. ♖xd7 ♕a1+ 35. ♔h2 ♖xd7 36. ♕xd7 ♕xa5−+

31. g3 ♖xe3! Ungeachtet irgendwelcher Computerbewertungen steht Schwarz mit seinem Zeitvorteil besser.

32. ♗e4 ♘e5 33. ♕c8+

33. ♕f6 Die letzte Remischance von Weiß, wegen der achten Reihe. 33... ♖xg3+ 34. fxg3 ♕e3+ 35. ♔f1 ♖f5+ 36. ♗xf5 ♕f3+= mit Dauerschach.

33... ♔g7−+ Schwarz steht auf Gewinn. Alirezas Kampfgeist und sein dynamisches Spiel sorgten dafür, dass er diese Partie gewinnen konnte.

34. ♖b8 ♖xg3+ 35. fxg3 ♕e3+ 36. ♔f1 ♕xe4 37. ♕f8+ ♔f6 38. ♕d6+ ♔f5 39. g4+ ♕xg4

0-1

Nur fünf Monate später gewann er im Februar 2016 die Iranische Meisterschaft vor erfahreneren Spielern wie Ehsan und Parham. Dieses Turnier war nicht nur wegen seiner Ambitionen bedeutsam, sondern auch für das Land, das einige falsche Vorstellungen, was das Alter betrifft, ablegen konnte. 2016 wurde Alireza der IM-Titel verliehen und mit 14 Jahren wurde er 2018 dann auch Großmeister. Damit ist er der jüngste GM des Iran und einer der jüngsten GM der Welt. Obwohl Parham und Alireza wie einige andere junge Spieler Rivalen waren, haben sie einen freundlichen Umgang miteinander und sehen sich nicht im erbitterten Wettstreit, was vor allem Alirezas Entwicklung gut getan hat. Selbst im Auto oder im Restaurant können sie über nichts anderes als Schach reden. Ein Dialog könnte etwa so verlaufen, „Die Stellung / Eröffnung ist schlecht / gut, weil“ und die Antwort lautet dann „Nein! Das kann nicht sein, ich werde es dir zeigen….“

Alireza nennt seine beiden Trainer, IM Mohsen Sharbaf, der für seinen dynamischen Stil verantwortlich ist, und GM Ivan Sokolov, der ihm Eröffnungen und strategische Konzepte beigebracht hat, als seine wichtigsten Lehrmeister. Dennoch wäre ohne zwei weitere Faktoren, nämlich Alirezas Fleiß und die Hingabe seiner Eltern, diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Nach Jahren harter Arbeit gewann er 2019 erneut die Iranische Meisterschaft und übertraf damit die Elo-Schallmauer von 2700. Mit seiner aktuellen Elo von 2728 ist er mit 16 Jahren auf Platz 21 der Weltrangliste. Ivan Sokolov hat sein Talent mit dem eines Bobby Fischer verglichen und ihn als kommenden Herausforderer von Magnus Carlsen bezeichnet. Alireza schlug Magnus zuletzt schon beim chess24 Banter Blitz Cup.

Im Winter 2019 verließ er jedoch den Iranischen Schachverband und zog mit seiner Familie nach Frankreich. Der Grund waren vermutlich die vorher bereits angedeuteten Probleme und Einschränkungen im Iran. Nimmt man 2013 als Ausgangspunkt seiner Karriere an, hat sich seine Elo jährlich im Schnitt um etwa 110 Punkte verbessert, was seine rasante Entwicklung unterstreicht. Aktuell ist Alireza die wichtigste Säule des iranischen Schacherbes und wir werden definitiv in den nächsten Jahren noch viel von ihm hören. 

Alireza Firouzja während der Prag Masters 2020, die er später gewann | Foto: Vladimir Jagr, Turnierseite

Auch wenn das Schach in Iran eine abwechslungsreiche Geschichte erlebt hat, kann man abschließend sagen, dass die junge Generation das Erbe ihrer Vorfahren übernommen hat und die Zukunft als eine der 30 besten Schachnationen rosig aussieht. Ohne die zuvor erwähnten Figuren wären die heutigen Stars nicht möglich gewesen, doch ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich die gesamte Schachfamilie erwähnen. Wenn man den Aufstieg zum Topspieler mit dem Erklimmen eines Berges vergleicht, haben die iranischen Spieler dies ohne entsprechende Ausrüstung geschafft. Sie haben nur Fleiß und Beharrlichkeit sowie die Unterstützung ihrer Eltern zur Verfügung; aus diesem Grund sind ihre Leistungen umso höher einzustufen, da sie so zukünftigen Generationen den Weg geebnet haben.

Der Damavand ist der höchste Berg des Iran | Foto: Majid Ghohroodi

Zum Abschluss noch ein paar Sätze zu Alireza Firouzja, dem iranischen Wunderkind, und Iran, seinem Heimatland:

Zu Alireza: Unabhängig von der Nationalität, Religion und Rasse, sind wir alle Menschen mit einem Herzen; wir wünschen Dir daher unabhängig von deinem Aufenthaltsort viel Erfolg. Einen leuchtenden Stern kann man aus allen Himmelsrichtungen und unabhängig von Grenzen erkennen.

Über Iran: Viele talentierte Spieler wie IM Kamran Shirazi und GM Elshan Moradiabadi oder WGM Mitra Hejazipour und IA Shohreh Bayat sowie der potentielle künftige Weltmeister GM Alireza Firouzja haben dein Land verlassen. Ich bin sicher, keiner von ihnen hat das gern und ohne Abschiedsschmerz getan. Anstatt die Schuld bei anderen zu suchen, solltest du Iran, „die Ursachen“ für diese Tendenz herausfinden und „Freundschaft und Stabilität suchen, indem du Liebe verbreitest und dich um deine Menschen kümmerst“. Die Schachfamilie hat ihre Züge mit Seriosität ausgeführt, und nun liegt die Zukunft unseres Schacherbes in deinen Händen. Die Uhr tickt, Iran, du bist am Zug!


IM Nima Javanbakht

Nima Javanbakht (@NimaJavanbakht) ist  Internationaler Meister und lebt in Isfahan. Aktuell studiert an der Universität von Singapur.


Wie bist du zum Schach gekommen? Teile deine Erfahrungen hier in den Kommentaren oder unter dem Hashtag #HeritageChess!      

Siehe auch:


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