Berichte 10.08.2022 | 09:41von Colin McGourty

Usbekistan und Ukraine gewinnen Olympiade in Chennai

Das junge Team aus Usbekistan hat die Schacholympiade 2022 in Chennai gewonnen, wobei der 27-jährige Jakhongir Vakhidov den Sieg gegen die Niederlande sicherte. Armenien verpasste nach einem Sieg gegen Spanien seine Chance im Tiebreak, während Indien 2 Bronze holte. Bei den Frauen gab es Gold für die Ukraine, die sich gegen Georgien durchsetzte, nachdem Indien in der letzten Runde gegen die USA gescheitert war, aber dennoch Bronze holte.


Die 44. Schacholympiade ist zu Ende, und es war ein spannender Kampf. Hätten die Rating-Favoriten Deutschland, Spanien, die Niederlande und die USA ihre Matches in der letzten Runde gewonnen, hätte der Turnierfavorit USA Gold geholt − aber stattdessen waren es die jungen Schachstars und die armenischen Überflieger, die ihre herausragenden Leistungen halten konnten. 


Als sich die Wogen geglättet hatten, ging Usbekistan − das übrigens als Gastgeber der Olympiade 2026 bestätigt wurde − als Goldmedaillengewinner hervor. Als sie das letzte Mal auf dem Olympiade-Podium standen − 1992 mit der Silbermedaille − war noch kein Mitglied der aktuellen Mannschaft geboren!


Vor der Endrunde lagen Armenien und Usbekistan gemeinsam in Führung, und es dauerte nicht lange, bis Armenien − Olympiasieger 2006, 2008 und 2012 − auf gutem Wege zum Sieg war und zumindest die Silbermedaillen sicher hatte.

Alexei Shirovs 15...g6? war die Art von Zug, die schwer zu erklären ist − vielleicht mit dem frühen Start der Runde. Die Antwort 16.Lg5! wäre nicht einmal ein Problem gewesen, denn wenn man nach 16...Dh5 mit 17.Lxd8? Lh6! fortsetzt, ist Schwarz immer noch in der Partie. Doch nach 17.Le2! war es dann wirklich so gut wie vorbei für Schwarz.

Gabriel Sargissian belegte am Spitzenbrett „nur” den 4. Platz, hinter Gukesh, Abdusattorov und Carlsen, aber sein Beitrag war, wie schon bei früheren Olympiaden, unbezahlbar.

Die anderen Partien waren remis, und Armenien gewann sein Match. Obwohl es nicht ganz für Gold reichte, gehörte Levon Aronjan, der acht Mal für Armenien an Olympiaden teilnahm, zu den ersten Gratulanten:

Armenien wurde die Goldmedaille von Usbekistan verwehrt, das in der letzten Runde die besseren Tiebreaks hatte und gegen die Niederlande viel überzeugender gewann, als es das Endergebnis von 2,5:1,5 vermuten lässt.

Nodirbek Abdusattorov erbarmte sich dieses Mal gegen Anish Giri | Foto: Lennart Ootes, FIDE

Der 17-jährige Schnellschach-Weltmeister Nodirbek Abdusattorov warf Anish Giri bei der Weltmeisterschaft 2021 aus dem Turnier und war kurz davor, Anish erneut zu schlagen. Sein Vorteil verpuffte schließlich in einem Remis, was bedeutete, dass er es verpasste, zum ersten Mal in den 2700er-Club einzutreten, aber Nodirbeks weiterer Aufstieg ist unvermeidlich. Er holte Silber in der Einzelwertung an Brett 1.

Der 16-jährige Javokhir Sindarov hatte gegen Benjamin Bok Gewinnchancen, zeigte aber die Reife, vorsichtig zu spielen und ein Remis anzunehmen, als es sinnvoll war, da der 27-jährige Jakhongir Vakhidov gegen Max Warmerdam früh in Vorteil geriet und diesen trotz des unvermeidlichen Stresses der Situation in einen Sieg ummünzte.

Jakhongirs 5 Siege und 3 Remisen bescherten ihm eine Leistung von 2813 und eine Goldmedaille in der Einzelwertung an Brett 4.

Jakhongir Vakhidov hat alle Glückwünsche verdient! | Foto: Lennart Ootes, FIDE

Der Kampf um Platz 3 war intensiv, und hätte im Duell der an Nummer 1 und 2 gesetzten Mannschaften Indiens und der USA entschieden werden können − allerdings beendeten diese ihre Runde mit einem 2:2-Unentschieden.

Keiner der US-Allstars gewann eine Einzelmedaille; Fabiano Caruana und Wesley So spielten remis.

Harikrishna und Fabiano Caruana einigten sich relativ schnell auf ein Remis | Foto: Lennart Ootes, FIDE

Sam Shankland beendete ein für ihn schwieriges Turnier mit einem Sieg gegen Narayanan, während Aryun Erigaisi − das einzige Kind, das in die erste indische Mannschaft geschmuggelt wurde − seine sechste Partie gewann, was ihm Einzel-Silber an Brett 3 einbrachte. Aber vielleicht noch wichtiger ist, dass er zum ersten Mal über die 2700er-Marke kam.

Es war ein phänomenaler Aufstieg.

Das Unentschieden half jedoch keinem der beiden Teams: Indien 1 musste sich mit Platz 4 begnügen, die topgesetzten USA belegten Platz 5.

Es war jedoch absolut passend, dass die jungen Stars von Indien 2 es auf das Podium schafften. Sie und vor allem Gukesh hatten am Vortag den Sieg gegen Usbekistan knapp verpasst.

Es stellte sich heraus, dass Vishy dem jungen Team in einer späten Nacht einen Besuch abgestattet und von seinen eigenen Rückschlägen berichtet hatte:

Und anscheinend funktionierte es, denn Raunak Sadhwani sorgte für einen 3:1-Sieg gegen Deutschland, als er gegen Liviu-Dieter Nisipeanu früh in Führung ging und diese nicht mehr abgab.

Raunak Sadhwani beruhigte die Nerven, indem er sofort einen großen Vorteil gegen Nisipeanu erlangte | Foto: Lennart Ootes, FIDE

Im Vorfeld des Turniers wurde oft vorhergesagt, dass Indien 2 das gefährlichere der indischen Teams sein könnte − und dies erwies sich als zutreffend, denn das Team holte sich schließlich die Bronzemedaille, ohne dass ein Tiebreak nötig gewesen wäre.

Gukesh kam nach der Niederlage gegen Abdusattorov am Vortag zurück, spielte Remis gegen Vincent Keymer und holte sich mit einer Leistung von 2867 Punkten an Brett 1 die verdiente Goldmedaille vor Abdusattorov und Carlsen, die beide 2803 Punkte erreichten.

Wir können hier keinen vollen Bericht liefern, aber es soll erwähnt sein, dass das an Rang 48. gesetzte Moldawien herausragte, da es nach einem Sieg gegen Norwegen in der letzten Runde auch England besiegte und damit den 6. Platz belegte.

England wurde nur 14., konnte sich aber über etwas anderes freuen: David Howell, der in den letzten drei Runden nicht mehr antrat, erzielte mit 2898 Punkten die beste Leistung aller Teilnehmer der Olympiade.

Er wurde während der letzten Runde interviewt.

Das an 35. Stelle gesetzte Litauen belegte den 10. Platz, wobei Paulius Pultinevicius 8,5/10 erzielte und an Brett 4 Silber gewann. Mateusz Bartel erzielte ebenfalls 8,5/10, darunter fünf Siege in Folge am Ende, und bescherte Polen nach einem harten Wettkampf den 9. Platz.


Bei der Schacholympiade der Frauen verpasste Indien seinen Sieg. Das Team führte mit einem Punkt Vorsprung und wusste, dass ein Sieg gegen die USA die Goldmedaille bringen würde, und selbst ein Unentschieden hätte reichen können. Leider wurden die einheimischen Schachfans aber enttäuscht!


Als sich die Wogen geglättet hatten, war es die Ukraine, die sich im Tiebreak gegen Georgien durchsetzte, während Indien immerhin noch die Bronzemedaille gewann, und zwar mit einem hauchdünnen Vorsprung vor den USA, während Kasachstan ebenfalls 17 Punkte holte.


Das indische Damenteam hatte sich wacker geschlagen, scheiterte aber an der letzten Hürde gegen ein wiedererstarktes US-Team. An den ersten beiden Brettern war für Indien nichts zu holen, und Tania Sachdev, die alle Partien spielte und mit +6 ungeschlagen war, verlor gegen Carissa Yip, die insgesamt ein hartes Turnier hatte, aber ihre letzten fünf Partien gewann.

Tania fiel von einer Gold- auf eine Bronzemedaille an Brett 4 zurück, aber Doppelbronze war eine gute Belohnung für ein großartiges Turnier.

Auch Bhakti Kulkarni musste nach vier Siegen ihre erste Niederlage hinnehmen und verlor gegen Tatev Abrahamyan. Tatev hatte eine ungewöhnliche Erklärung für den Aufschwung des US-Teams:

Ich glaube, wir haben nach der Bermuda-Party angefangen, viel besser zu spielen, und das war der Wendepunkt für uns. Danach war unser Team einfach umwerfend.

Die Niederlage Indiens bedeutete, dass in den anderen Duellen plötzlich Gold zu holen war. Nino Batsiashvili (Gold an Brett 2) und Meri Arabdize bescherten Georgien einen Sieg über Aserbaidschan, der für Gold gereicht hätte, wenn nicht die Ukraine gegen Polen gewonnen hätte.

Mariya Muzychuk erwischte Alina Kashlinskaya in der Eröffnung und gewann am Spitzenbrett, was bedeutete, dass Oliwia Kiolbasa gegen Anna Ushenina gewinnen musste, auch wenn sie am Ende einen Bauern weniger hatte.

Anna Ushenina sicherte der Ukraine die Goldmedaillen | Foto: Lennart Ootes, FIDE

Vielleicht war es unvermeidlich, dass die Partie mit einem Sieg für Anna endete, was der Ukraine in den Tiebreaks Auftrieb gab, aber Oliwia, die mit 9/9 gestartet war, holte trotzdem Einzelgold an Brett 3, während Anna Silber gewann.

Bei den Brettpreisen müssen wir auch die legendäre Pia Cramling erwähnen, die sich an Brett 1 Gold holte.

Es war jedoch sehr knapp, denn Eline Roebers konnte Pias Leistung von 2532 Punkten zwar erreichen, musste sich aber mit Silber begnügen, weil sie eine Partie weniger gespielt hatte.

Die letzten Medaillen, die wir noch erwähnen wollen, bevor wir unsere Berichterstattung über die Schacholympiade beenden, sind die des Gaprindashvili-Pokals, der die offene und die Frauenklasse vereint. Das Kuriose daran ist, dass Indien Gold holte, die USA Silber... und Indien 2 holte Bronze. Eine rosige Zukunft für das indische Schach!

Das nächste große Schachereignis am Horizont ist der FTX Crypto Cup mit Magnus Carlsen und Alireza Firouzja, der in nur sechs Tagen in Miami beginnt!


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