Berichte 13.10.2015 | 08:43von Colin McGourty

Nakamura siegt nach Remisstreit im Stechen

Mit einem neunzügigen Remis gegen Luke McShane in der 7.Runde des Millionaire Chess-Turniers zog Hikaru Nakamura den Zorn des Veranstalters auf sich, doch letztlich zahlte sich das Risiko aus. Da Evgeni Bareev seine Partie nicht gewinnen konnte, kam es zu einem Stechen mit neun Spielern, bei dem Wesley So und Nakamura zunächst Spieler wie Fabiano Caruana und Gata Kamsky eliminierten. In der dritten Stichkampfpartie bezwang Nakamura dann So und schnappte sich den letzten Platz im Finale des Millionaire Monday, wo er gegen Yu Yangyi, Le Quang Liem und Aleksandr Lenderman um $100.000 spielt.

Trotz vorheriger Krankheit gelang es Hikaru Nakamura, sich für das Finale zu qualifizieren | Foto: David Llada, Millionaire Chess

Die Regeln des Millionaire-Chess-Turniers sehen vor, dass die Spieler zunächst in einem siebenrundigen Qualifikationsturnier um die vier Plätze im K.O.-Finale kämpfen, wo es dann um die ganz große Kohle geht.

Für den ersten Platz sind $100.000 ausgelobt, die Plätze 2, 3 und 4 sind immerhin mit $50.000, $25.000 und $16.000 dotiert. Die Spieler, die sich nicht qualifizieren, tragen anschließend im Open weitere zwei Runden aus, wobei dem Sieger (bzw. Fünftplatzierten) $10.000 winken.

Die siebte Runde des Open war damit extrem wichtig, und wie sich zeigte, auch extrem spannend: 

Extrem hohes Risiko

Luke McShane und Nakamura gingen mit 5 aus 6 in die 7.Runde, wurden dann aber gegeneinander gepaart. Luke spielte 1.e4, Nakamura antwortete mit 1…c5 und dann blitzten die beiden Spieler die Najdorf-Variante im Sizilianer herunter, ehe sie sich nach 7.Zug stillschweigend auf Remis durch Zugwiederholung einigten, womit die Partie beendet war. Oder doch nicht?

Die Regeln sind beim Millionaire-Chess-Turniers recht entschieden, was frühe Remisschlüsse betrifft, denn „die Fans wollen richtige Partien sehen … alles andere ist eine Verhöhnung unseres wunderbaren Spiels“, oder wie es im Detail heißt:

Dem Veranstalter ist klar, dass es Situationen geben kann, in denen vor dem 30.Zug ein Remis vereinbart wird. Sie sind selten, kommen aber vor, und wenn wir zu der Erkenntnis kommen, dass eine richtige Partie gespielt werden sollte, sind wir mit einem Remis einverstanden. Wir zwingen keinen Spieler dazu, sich mattsetzen zu lassen oder einen Bauern zu verlieren, um ein Remis zu verhindern. Diese Situationen treten aber selten auf und sollten nicht oft vorkommen.

Folgende Strafen drohen den Spielern, die die Regeln brechen:

-Verlust der Partie

-keine Chance, eins der Preisgelder zu gewinnen

-Sperre für die nächsten Austragungen

Für Maurice Ashley und sein Team war diese Situation ein Albtraum, da laut Regelwerk die Regeln ohne Ausnahme auch für die Stars “gerecht und ohne Ausnahme” angewendet werden sollen. Es folgten lange Diskussionen, an deren Ende die Spieler nicht bestraft wurden, aber Ashley ließ seinem Ärger zumindest freien Lauf, indem er betonte, dass „dieses neunzügige Remis eine Farce war“ und er sich „mit der FIDE über Maßnahmen zur Lösung dieses Problem unterhalten werde“.

Wie ist eure Meinung? Hören wir uns zunächst an, was die Spieler und Maurice Ashley zu sagen hatten:

Es galt aber noch einen weiteren Aspekt zu berücksichtigen. Es war alles andere als eindeutig, dass die beiden Spieler eine kluge Entscheidung getroffen hatten. Wie sich zeigte, entwickelte sich daraus ein spannender Showdown.  

Le Quang Liem qualifizierte sich mit einem 30-zügigen Remis gegen Wesley So für das Finale – kein großer Kampf, aber zumindest regelkonform. Yu Yangyi ließ sich nicht die Chance entgehen, Axel Rombaldoni souverän zu besiegen und sich zum zweiten Mal in Folge einen Platz im Finale zu sichern. Und Aleksandr Lenderman schlug Ray Robson und erzielte damit ebenfalls 6 aus 7 für einen sicheren Platz im Finale. 

Varuzhan Akobian und Gata Kamsky verfolgen die Partie... | Foto: David Llada, Millionaire Chess

Damit war noch ein Platz zu vergeben, und natürlich mussten die Top-Gesetzten Caruana, So, Nakamura und McShane hoffen, dass kein anderer Spieler mehr 6 Punkte erreichen würde.

Das Problem war, dass es lange so aussah, als würde Evgeny Bareev genau das gelingen. Er ließ eine große Chance nach dem gegnerischen Fehler 19…Tfe8? aus.


20.Df3!, mit schlimmen Drohungen auf der f-Linie wäre entscheidend gewesen, doch stattdessen spielte Bareev 20.Dd2. Noch lange quälte Bareev seinen Gegner und machte damit acht andere Spieler nervös, doch am Ende musste er sich mit einem Remis abfinden.

Evgeny Bareev stand kurz vor dem Finale, verpasste es aber knapp| Foto: David Llada, Millionaire Chess

Bareevs Tragödie bescherte den Schachfans einen Stichkampf mit neun Spielern (Gil Popilski verzichtete, um stattdessen in einer Kategorie mit niedrigerem Rating anzutreten). In zwei Gruppen mit fünf bzw. vier Spielern wurde Schnellschach (und bisweilen auch Blitz) gespielt, um den letzten Finalisten zu ermitteln. Das System war etwas kompliziert, aber ihr könnt hier alle Partien nachspielen:

Fabiano Caruana zeigte einmal mehr, dass er bei kurzer Bedenkzeit nicht so stark ist  (Niederlagen gegen So und McShane, Remis gegen Shimanov), und auch Bareevs Pechsträhne war noch nicht zu Ende. Er verlor seine ersten beiden Partien und sorgte dafür, dass seine dritte (für ihn bedeutungslose) Partie gegen Nakamura noch lange im Gedächtnis haften bleiben wird:


In dieser Stellung gab Bareev auf … nach 11 Zügen! Die weiße Dame hat sich verlaufen und kann nicht sinnvoll gerettet werden – zudem birgt die Diagonale a1-h8 ein weiteres Desaster für den Weißen.

Luke McShane und Wesley So schafften es nicht| Foto: David Llada, Millionaire Chess

Gata Kamsky und Luke McShane setzten sich heftig zur Wehr, konnten aber ebenfalls nicht das erhoffte Stichkampffinale zwischen So und Nakamura verhindern.

Die beiden sollten zunächst drei Schnellpartien spielen, wäre keine Entscheidung gefallen, sollten danach zwei Blitzpartien sowie ein Armageddon folgen. Die erste Schnellpartie endete remis, und in der zweiten erzielte So aus der Eröffnung heraus klaren Vorteil. Nakamura zündelte mit 10…d3!?:


11.cxd3! war nun der richtige Zug, mit der Pointe, dass 11…Dxb5 mit 12.Sxc6! gekontert wird und Schwarz die Katastrophe auf der e-Linie nicht mehr verhindern kann. Stattdessen spielte So aber 11.Lxc6+, worauf Nakamura zur Rochade kam und vier Züge später das gegnerische Remisangebot annahm.

Nakamura setzte sich zunächst gegen Kamsky und anschließend gegen Wesley So durch | Foto: David Llada, Millionaire Chess

Dieser Überseher kam So teuer zu stehen, denn in der dritten Partie setzte Nakamura zu einem unwiderstehlichen Angriff an. Nur aufgrund der Turniersituation gab So nach dem brutalen 31.Sg6+, mit dem die h-Linie zum entscheidenden Schlag geöffnet wurde, nicht sofort auf:


Nakamura brachte die Partie sicher nach Hause und schaffte damit die Qualifikation für das vierköpfige Finale, wo er zunächst auf Yu Yangyi trifft, mit dem er den Finalisten gegen den Sieger des Duells zwischen Le Quang Liem und Aleksandr Lenderman ermittelt. Hier könnt ihr euch die Partien ansehen:

Alle Partien könnt ihr euch auch mit unseren kostenlosen Apps ansehen!

         

Zum Weiterlesen:



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