Interviews 07.10.2013 | 15:28von Malte Turski

Kramnik verzichtet auf Zürich 2014

Die dritte Ausgabe der Zürich Chess Challenge verspricht, mit sechs Top 8-Spielern und dem ersten Aufeinandertreffen zwischen Magnus Carlsen und Vishy Anand nach ihrem WM-Kampf spektakulär zu werden. Nur Kramnik fehlt. In einem Interview erklärte der Sponsor des Turniers, weshalb der Russe nicht dabei sein wird. Kramnik hat seine Teilnahme für 2015 allerdings zugesagt (ein Rückzug vom Schach ist also noch nicht zu befürchten!).

Oleg Skvortsov ist mit Diamanten zu Wohlstand gelangt und hat ein ungewöhnliches Hobby: Obwohl er nur ein starker Schachamateur ist, spielt er gerne bei klassischer Bedenkzeit (4-6 Stunden) um viel Geld gegen die weltbesten Spieler (diese Woche z.B. gegen Fabiano Caruana in Antwerpen). Das ist eine gute Nachricht für die Spieler. Für alle anderen ist erfreulich, dass er 2012 bezüglich der Organisation eines großen, öffentlichen Events mit Vladimir Kramnik in Kontakt kam. Heraus kam ein Match zwischen Kramnik und Levon Aronian in Zürich. Ein Jahr später organisierte er ein Turnier mit vier Spielern.

Oleg Skvortsov mit den Spielern der Zurich Chess Challenge 2013: Boris Gelfand, Fabiano Caruana, Vishy Anand und Vladimir Kramnik | Bild: ChessPro


Ursprünglich sollte die Zahl der Spieler in 2014 verdoppelt werden; die sechs Spieler, die nun antreten werden, sind allerdings auch nicht ohne:

1. Magnus Carlsen (2870, Nr. 1 der FIDE-Rangliste im Oktober 2013)
2. Levon Aronian (2795, Nr. 3)
3. Hikaru Nakamura  (2783, Nr. 5)
4. Fabiano Caruana (2779, Nr. 6)
5. Viswanathan Anand (2775, Nr. 7)
6. Boris Gelfand (2765, Nr. 9)

Skvortsov wurde von Vladimir Barsky für ChessPro interviewt und sprach über die Organisation des Events. Zunächst wurde das Turnier auf den 7. bis 14. Februar 2014 terminiert. Als man feststellte, dass am selben Tag die Olympischen Winterspiele in Sotschi beginnen, verlegte man das Turnier allerdings auf den 29. Januar bis 4. Februar, direkt im Anschluss an Wijk aan Zee.

Natürlich fragte der Interviewer nach der Abwesenheit Kramniks:     

Weshalb wird Vladimir Kramnik 2014 nicht in Zürich spielen?

Wir haben die Bekanntgabe der Teilnehmer lange verschoben, weil wir auf den Sieg Vladimirs beim Weltcup warteten. Wir standen in Kontakt und besprachen, welche Änderungen sich ergeben würden. Nach seiner Rückkehr aus Norwegen telefonierten wir und besprachen noch einmal alles. Leider stellte sich heraus, dass das Datum für Kramnik ungünstig war. Seine Pläne sehen eine Vorbereitung auf das Kandidatenturnier vor, das wie auch in diesem Jahr im März stattfinden wird. Möglicherweise befürchtet Vladimir, das Datum des Kandidatenturniers könnte wieder in letzter Minute geändert werden. Wir haben uns mit Kramnik darauf geeinigt, dass er 2015 an unserem Turnier teilnehmen wird. Im kommenden Jahr wird er dann der Eröffnungszeremonie als Ehrengast beiwohnen.

Es ist auch denkbar, dass Kramnik vom neuen Format des Turniers - die erste Runde mit klassischer Bedenkzeit, gefolgt von Schnellschach - wenig angetan war. Die Schnellpartien werden, obwohl Skvortsov scheinbar ein Freund der klassischen Bedenkzeit ist, ebenfalls in die Gesamtbilanz der Spieler einfließen, was eher unüblich ist.

Wie berechnen Sie die Ratings?

Basierend auf den fünf Partien mit klassischer Bedenkzeit.

Und die Schnellpartien?

Ich denke nicht. Weshalb sollten wir? Nur wenige interessieren sich meiner Meinung nach für Schnellschach-Ratings. Die Mehrheit der Schachfans wird sich nur für das klassische Rating interessieren. Der Titel des Blitz-Weltmeisters oder Schnellschach-Weltmeisters kümmert sie nicht besonders.

Für einen Sieg mit klassischer Bedenkzeit bekommt man zwei Punkte?

Ja, und einen beim Schnellschach. Wir sind der Ansicht, dass ein Sieg bei klassischer Bedenkzeit doppelt so wertvoll ist wie ein Sieg beim Schnellschach.

Skvortsov erklärte die wirtschaftliche Seite klassischer oder Schnellschach-Events und äußerte als einer von einigen neuen, wohlhabenden russischen Schachsponsoren interessante Ansichten zur Finanzierung in der Schachwelt:

Demgegenüber haben wir zum Beispiel bei den London Chess Classic die klassische Bedenkzeit beibehalten. Natürlich ist es deutlich günstiger, ein Turnier innerhalb von zwei bis drei Tagen abzuhalten. Man kann die Organisatoren verstehen: Es ist nicht so viel Geld verfügbar.

Wo ist das Geld im Schach zu finden?

Es gibt so gut wie keine Unternehmenssponsoren oder Sponsoren im Allgemeinen: Es ist reines Patronat. Das klingt vielleicht etwas hart, aber Schachspieler sollten es verstehen.

Es gibt aber doch die Meinung, dass wir in einer "goldenen Ära des Schachs" leben. Ein großes Turnier folgt dem nächsten…

Meiner Meinung nach ist das eine vergängliche Konjunktur, die jederzeit vergehen kann. Die Turniere in Linares, Mainz und Monte Carlo sind auf diese Weise verschwunden… Es scheint mir daher, dass sich die Schachspieler mit den Patronen arrangieren sollten. Ich mag das Wort 'Patron' nicht sonderlich, es ist zu bombastisch. Aber im Wortsinne passt das Wort 'Sponsor' nicht, weil Sponsoren im Schach so gut wie keinen Einfluss haben. Schach ist nicht Tennis, American Football, Baseball oder Fußball.

Hoffen wir, dass Skvortsov sich irrt! Sie können das vollständige Interview (auf Russisch) bei ChessPro
lesen.


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