Berichte 24.06.2022 | 17:20von Colin McGourty

Kandidatenturnier in Madrid: Wird es ein Rennen zwischen Nepo und Fabi?

In Runde 6 des Kandidatenturniers in Madrid gab es zwei Siege: Jan Nepomnjaschtschi und Fabiano Caruana konnten sich gegen ihre Gegner durchsetzen. Durch Nepos bisherige Leistung haben sich die Chancen auf ein erneutes WM-Match zwischen Nepo und Carlsen erhöht. Und falls Magnus doch von der Verteidigung seines Titels absehen sollte, könnte es ein Nepo-Fabi-Match geben − vorausgesetzt die beiden können ihre bisherige Leistung halten. Jan gewann eine starke Partie gegen Jan-Krzysztof Duda, während Fabiano einen Fehler von Alireza Firouzja ausnutzte, der nun auf dem letzten Platz im Turnier und schließlich auf Platz 5 der Weltrangliste landet. Teimour Radjabov ließ eine große Chance gegen Richard Rapport aus.

Jan Nepomnjaschtschi nimmt die gleiche Haltung wie im Kandidatenturnier 2020 ein! | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Du kannst alle Partien des Kandidatenturniers 2022 einsehen, indem du die jeweilige Partie in der nachfolgenden Liste anklickst.

Und hier der Live-Kommentar von Judit PolgarJan Gustafsson und David Howell:     

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In Runde 6 holten Fabiano Caruana und Jan Nepomnjaschtschi wichtige Siege ein, bevor es in den 2. Ruhetag geht.


Jan Nepomnjaschtschi 1-0 Jan-Krzysztof Duda

Jan Nepomnjaschtschi überraschte Jan-Krzysztof Duda in der Eröffnung, indem er Réti mit 1.Sf3 spielte und 1...d5 mit 2.g3 begegnete. Anish Giri war beeindruckt.

Ich habe festgestellt, dass dies eine sehr, sehr kluge Wahl ist, also wer auch immer es war, ob es Jans Sekundanten oder Jan selbst war − ich verneige mich vor dieser klugen Wahl. Nach d5 g3 hat Jan-Krzysztof Duda viele verschiedene Systeme gespielt, die aber alle recht interessant für Weiß sind, also hat Jan Nepomnjaschtschi hier definitiv etwas Aufregendes vorbereitet, und das war eine totale Überraschung für Duda. Eine ausgezeichnete Wahl.

Auf Chessable hat Anish Giri übrigens außerdem einen exklusiven Kurs zum Kandidatenturnier: chessable.com/candidates

Duda hatte bereits sechs Minuten überlegt, bevor er sich für 2...Lg4 entschied, das Giri als ein kompliziertes System beschrieb, bei dem man mit Schwarz genaue Zugfolgen kennen muss. Duda kannte diese nicht, und sein weißfeldriger Läufer stand bald unter starkem Druck, als die weißen Bauern vorrückten.

Hier scheint es, dass 20...Kh8! es Weiß schwer gemacht hätte, die schwarze Stellung aufzubrechen, aber nach der Partiefortsetzung 20...hxg5 21.hxg5 Lb4 22.Lxb4 Dxb4 23.f5! war Schwarz in arger Bedrängnis.

Danach opferte Duda seinen Läufer, aber die Bauern, die er dafür erhielt, wären nur von Bedeutung, wenn er die Stellung vereinfachen könnte. Stattdessen spielte Nepo schnell und gut und ließ sich keine direkten taktischen Tricks entgehen.


Mit 29.Txf5! gewann er einen Bauern und öffnete mehr Wege zum schwarzen König − 29...Dxf5?? würde zu Matt mit 30.Dxg7# führen.

Die restlichen Züge waren eine Tortur für Duda, dem nicht viel anderes übrig blieb, als fünf Züge später aufzugeben.

Das bedeutet, dass Jan Nepomnjaschtschi im Turnier bisher drei Partien gewonnen und keine verloren hat.


Mit diesem Sieg konnte Nepo seinen Vorsprung im Turnier allerdings nicht weiter vergrößern, da Fabiano Caruana eine enorm wichtige Partie gewann und damit weiterhin dicht hinter Nepo liegt.


Alireza Firouzja 0-1 Fabiano Caruana

Fabiano Caruana sagte vor Beginn des Turniers, dass der Aufstieg von Alireza Firouzja zur Weltranglisten-Nummer 2 nicht das aktuelle Kräfteverhältnis widerspiegele | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Alireza Firouzja sorgte mal wieder für eine Überraschung, mit der er seine Vorbereitungsarbeit unter Beweis stellte − diesmal in Zug 6 in der Katalanischen Verteidigung.

Fabiano antwortete mit 6...c5 und spielte starke, vernünftige Züge, während Alireza irgendwann die Chance verpasste, einen kleinen, sicheren Vorteil zu erlangen, und Zeit vergeudete, indem er etwas mehr versuchte. Fabiano sagte später über Firouzja:

Ich bin mir wirklich nicht sicher, was hinter den Kulissen vor sich geht, aber offensichtlich spielt er nicht auf seinem gewohnten Niveau. Es könnte der Druck des ersten Mals sein, aber wir können nur spekulieren. Er selbst wird wohl besser wissen, was schief läuft, aber offensichtlich ist, dass etwas schief läuft, denn er spielt superlangsam und nicht auf so hohem Niveau wie sonst.

Die entscheidende Sequenz der Partie begann im 20. Zug.


Schwarz steht aufgrund der besseren Aussichten für seine Leichtfiguren etwas besser, aber hier entschied Alireza, dass er mit dem scheinbar vorübergehenden Qualitätsopfer 20.Txd7?! Dxd7 21.Lh3 aktiv werden musste.

Wenn die Dame nun ziehen müsste und Weiß auf c8 schlagen könnte, hätte die Partie sehr wahrscheinlich in einem Remis geendet, aber Fabiano stoppte sich selbst, dachte 10 Minuten lang nach und spielte 21...f5! Die Idee ist, dass Schwarz nach 22.Lxf5 22...De8! die unverteidigte Dame auf h5 angreift. Nach 23.Dxe8 Tcxe8 hat Weiß eine Qualität verloren und dafür nur einen Bauern erhalten

Alireza variierte mit 22.exf5!?, aber das war keine Verbesserung, und die einzige Leistung, die Firouzja im Rest der Partie vorweisen konnte, war, dass er die Zeitkontrolle erreichte... mit nur 3 Sekunden Reserve.

Seine Stellung war jedoch ruiniert, und 42.Da4 sollte der letzte Zug der Partie sein.


Schwarz kann hier nach Belieben gewinnen, am leichtesten mit 42...h5+!, wo es ein schnelles Matt gibt, es sei denn, Weiß spielt 43.Sxh5, doch dann gewinnt Schwarz mit 43...De2+ den Springer. Alireza beschloss, die Uhr anzuhalten und seinem Gegner die Hand entgegenzustrecken, als Fabi ans Brett zurückkehrte.

Damit ist Fabiano Caruana weiterhin auf dem besten Weg, das zweite Kandidatenturnier seiner Karriere zu gewinnen. Im Moment sieht es nach einem Zwei-Mann-Rennen aus, und wenn am Ende zwei ehemalige Weltmeisterschaftsherausforderer auf den vorderen Plätzen liegen, dann wird das nächste Weltmeisterschaftsmatch wohl zwischen diesen beiden ausgetragen − sollte Magnus keine Motivation finden, seinen Titel ein weiteres Mal zu verteidigen.

Alireza Firouzja war der Spieler, gegen den Magnus im Falle eines Sieges spielen würde, aber das scheint unwahrscheinlich zu sein, da Firouzja mit -2 auf dem letzten Platz liegt und in der Live-Ratingliste auf Platz 5 zurückgefallen ist.



Anish Giri kommentierte:

Ich persönlich denke, dass es einfach eine schwierige Situation ist, wenn man im Turnier so schlecht abschneidet und auch die Eröffnung nicht gelingen will. Dann ist es sehr schwer, weil man gewinnen will, es aber nicht kann, und man versucht, es zu erzwingen − und das geht normalerweise nach hinten los. Kein guter Tag also für Firouzja und wahrscheinlich das Ende seiner Hoffnungen auf den Turniersieg. Ich glaube nicht, dass irgendjemand von einem solchen Ergebnis zurückkommen kann, aber natürlich werden seine Fans ihm die Daumen drücken und auf ein Wunder warten − denn wenn es jemand schaffen kann, dann ist es das Wunderkind namens Alireza Firouzja!


Radjabov ½ - ½ Rapport: Teimours verpasste Chance

In dieser Partie gab es einen spektakulären Sizilianer, obwohl Anish darauf hinwies, dass es weniger bemerkenswert war, wenn man bedenkt, dass die Spieler der ersten Engine-Variante bis 16...Kd7 folgten.

Hier dachte Teimour jedoch plötzlich 27 Minuten lang nach, bevor er nicht 17.c3! sondern 17.Lg5 spielte, und bald musste der aserbaidschanische Star einige sehr gute Züge finden, um den Ausgleich zu halten. 

Er schaffte es jedoch, und als Richard vor Erreichen der Zeitkontrolle den Faden verlor, bekam Teimour die riesige Chance, seine erste Kandidatenpartie seit seinem Sieg gegen Wassyl Iwantschuk in Runde 2 des Kandidatenturniers in London 2013 zu gewinnen.

Es ist eine kuriose Stellung, in der Schwarz drei Mehrbauern hat, die aber seinen Läufer einschränken. Es war verständlich, dass Teimour ein Remis anstrebte, und er kalkulierte korrekt, dass er dieses mit 39.Tf7? Txe5 40.Tbxb7 erreichen konnte.

Das erwies sich jedoch im Nachhinein als ein grober Fehler, da Schwarz nach 39.Lh2! absolut nichts tun konnte, um Tf7 zu verhindern. Wenn der angegriffene Läufer auf b7 zieht, kann man auf b8 mattsetzen. Schwarz könnte versuchen, den h2-Läufer mit 39...e5 zu blockieren, aber nach 40.Tf7 La8 gibt es kein Entkommen mehr.


Mit 41.Ta7! wird der Läufer eingesammelt.

Richard Rapport hat einen großen Schreck überwunden! | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Hikaru Nakamura ½ - ½ Ding Liren

Ding Liren verteidigte sich extrem gut, aber insgesamt liegt er dennoch bei -1 | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Hikaru erklärte in seiner Zusammenfassung, dass er mit 11.Lxc6 von Dudas 11.Sf1 gegen Ding Liren früher im Turnier abgewichen war. Hikaru hoffte, seinen Gegner zu überrumpeln, aber wenngleich es erst gut für Naka aussah, fand Ding immer wieder die besten Züge, obwohl er eine Stunde auf der Uhr zurücklag.

Hikaru beklagte sich:

Ich hatte mir das vor der Partie angeschaut. Es gab ziemlich viele verschiedene Möglichkeiten, aber ich war mir ziemlich sicher, dass Ding nicht die absolut beste Fortsetzung finden würde. Zu meinem großen Entsetzen tat er genau das.

Vielleicht verpasste Ding ganz am Ende die Chance, einer Zugwiederholung auszuweichen, denn das hätte Hikaru gezwungen, auf schwierigerem Wege zum Remis zu finden. Es wurde jedoch letztendlich ein Remis, und damit liegt Hikaru Nakamura zusammen mit Richard Rapport bei 50%, hat aber bereits einen ganzen Punkt Rückstand gegenüber dem Zweitplatzierten Fabiano Caruana und 1,5 Punkte Rückstand gegenüber dem Führenden Jan Nepomnjaschtschi.


Da aber jeder Spieler noch mindestens einmal gegen jeden anderen Spieler antreten muss, kann sich in einer einzigen Runde viel ändern. In der Tat ist jede Partie in der 7. Runde am Samstag von entscheidender Bedeutung, auch das Duell zwischen den turnierschwächeren Ding und Firouzja. "Es wird ein wilder Kampf werden", so Giri über diese Begegnung.


Das Kandidatenturnier 2022, das von Judit Polgar und Jan Gustafsson kommentiert wird, kann täglich ab 15:00 Uhr MESZ live in unserem Stream verfolgt werden.

Siehe auch:


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