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Berichte 03.07.2022 | 09:27von Colin McGourty

Kandidatenturnier Runde 12: Nepo hat den Gesamtsieg nahezu sicher

Jan Nepomnjaschtschi steht kurz davor, sein zweites Kandidatenturnier in Folge zu gewinnen, nachdem Hikaru Nakamura in Runde 12 ein schnelles Remis zuließ. Damit hat Nepo nun zwei Punkte Vorsprung vor Hikaru und Ding Liren, der mit den weißen Figuren eine 26-Züge-Niederlage gegen Teimour Radjabov hinnehmen musste. Nepo braucht jetzt nur noch ein Remis in einer seiner verbleibenden Partien, um sich den Sieg zu sichern. Der Kampf um Platz 2 bleibt aber intensiv, da Teimour und Fabiano Caruana nur einen halben Punkt hinter Nakamura und Ding liegen.

In Madrid ist es bisher prächtig gelaufen für Jan Nepomnjaschtschi; Hikaru Nakamura hat sich entschieden, in Runde 12 nicht auf Sieg zu spielen | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Du kannst alle Partien des Kandidatenturniers 2022 einsehen, indem du die jeweilige Partie in der nachfolgenden Liste anklickst:

Und hier der Live-Kommentar von Judit Polgar und Jan Gustafsson:

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Die 12. Runde des Kandidatenturniers in Madrid verlief perfekt für den Führenden Jan Nepomnjaschtschi, da er gegen seinen Rivalen Hikaru Nakamura ein Remis erreichte, während sein gefährlichster Herausforderer Ding Liren verlor und Fabiano Caruana seinen Gegner Richard Rapport nicht schlagen konnte.


Anish Giri lieferte uns wieder einmal eine Zusammenfassung aller Ereignisse aus Runde 12:

Auf Chessable hat Anish Giri übrigens außerdem einen exklusiven Kurs zum Kandidatenturnier: chessable.com/candidates


Hikaru Nakamura entscheidet sich, nicht um Platz 1 zu kämpfen

Vor der 12. Runde des Kandidatenturniers waren alle Augen auf die Partie Nepomnjaschtschi-Nakamura gerichtet, da es die Turnierwertung verändern würde, wenn Hikaru den Führenden mit Schwarz schlagen und bis auf einen Punkt herankommen könnte.

Anish Giri wagte einen hohen Wetteinsatz:

In der Zwischenzeit musste Hikaru in Madrid den Ansturm der Fans überstehen, um in die Halle zu gelangen...

...und musste mehr als nur schmunzeln, als Chessable-CEO Geert van der Velde den feierlichen ersten Zug 1.b3 für Nepo spielte:

Leider nahm Nepo diesen „Vorschlag” nicht an, sondern spielte stattdessen 1.e4 und Hikaru blieb bei seiner üblichen Berliner Verteidigung. Wir hatten in Madrid eine Reihe von Anti-Berlin-Zügen mit 4.d3 gesehen, aber Jan entschied sich verständlicherweise für das berüchtigte 14-zügige Remis durch Wiederholung, das wir schon in unzähligen Online-Events gesehen haben.

Die gesamte Partie war in weniger als 10 Minuten vorbei. Nachfolgend könnt ihr sie euch in leicht beschleunigter Form ansehen!


In seiner Zusammenfassung des Turniertages verwies Hikaru in seiner Erklärung auf die Partien Karpow-Short 1992, Anand-Kramnik 2008 and Karjakin-Caruana 2016, in denen der Versuch, mit Schwarz auf Gewinn zu spielen, entweder scheiterte oder komplett nach hinten losging.

Die andere Erklärung war, dass er dachte, es ginge noch nicht um alles oder nichts, da der zweite Platz im Kandidatenturnier von Bedeutung sein könnte. Er verwies auch auf Fabiano Caruana, der in den letzten vier Partien drei Niederlagen einstecken musste.

Fabiano ist bei all seinen Partien große Risiken eingegangen. Es ist also ganz klar, dass Fabiano nicht eine Sekunde lang geglaubt hat, dass der zweite Platz im Spiel ist. Es ist ganz klar, dass er Magnus für einen Schwätzer hält − sagen wir es mal so −, und ich bin generell auch seiner Meinung, aber ich möchte immer noch hoffen, dass es vielleicht eine Hintertür gibt, durch die ich den zweiten Platz erreichen kann.

Wenn Magnus sich entscheidet, nicht noch einmal gegen Jan Nepomnjaschtschi anzutreten, könnte sich Hikarus Entscheidung auszahlen.

Ding Liren 0-1 Teimour Radjabov

Die chinesische Nr. 1 Ding Liren hatte vor dieser Partie drei Partien in Folge gewonnen, was ihn auf den zweiten Platz katapultiert hatte. Schon zehn Minuten nach dem Start wusste er, dass er mit einem vierten Sieg bis auf einen Punkt an den Führenden herankommen würde. Ein spannender Endkampf um den ersten Platz war möglich, doch letztendlich wurde die Partie für Ding zum Desaster.

Teimour Radjabov hat nun die beiden Spieler vor ihm auf Platz 2, Ding und Nakamura, geschlagen | Foto: Stev Bonhage, FIDE


In dieser Partie hatten wir Nimzo-Indisch, und Teimour führte uns im 8. Zug eine Überraschung vor. Im 12. Zug begann Ding dann, sich zu verirren.


„Ich war sehr überrascht, als er 12.b4!? spielte”, sagte Teimour, und obgleich der Zug an sich nicht so schlecht war, verzögerte Ding Liren die Rochade immer wieder, während er am Damenflügel spielte. Es fühlte sich wieder wie in der ersten Partie des Turniers an, als Ding eine ganze Reihe fragwürdiger Entscheidungen gegen Jan Nepomnjaschtschi traf.

Zum Beispiel war es nach 12...Ld6 13.Lb2!? a5 14.b5!? a6 noch nicht zu spät, um sich zu stabilisieren.


Teimour wies darauf hin, dass 15.a4! noch relativ solide sein sollte, aber nach 15.h3!? Ld7 16.bxa6!? (wieder war 16.a4! am besten, ansonsten könnte Weiß auch auf Kosten eines Bauern rochieren) 16...Txa6 17.Td1 war Ding in echten Schwierigkeiten.

Die Dinge eskalierten sehr schnell, wobei jeder Zug von Ding wieder ein Fehler war, während Teimour die besten Züge fand: 17...Tb6 18.Td2!? Dc8 19.f3!? Te8 20.Kf2!? Db8!


Nach 21...Txe3! ist das Problem, dass 22.Kxe3 zu 22...Lc5+ 23.Sd4 De5+! führt und Schwarz die Figur mit Zinsen zurückgewinnt, aber das war nicht viel schlimmer als das, was in der Partie nach 22.Sd1 Te8 passierte.

Weiß war völlig am Ende, was Hikaru ein besseres Gefühl bezüglich seiner Lebensentscheidungen gegeben haben muss.

In den folgenden Zügen war Teimour gnadenlos, und 26...Lf4! war der letzte Schlag, der Ding Liren zur sofortigen Aufgabe zwang.


„Ich bin motivierter, gegen die Spieler zu spielen, die in Führung liegen”, sagte Teimour, der nun selbst die Chance auf Platz 2 und ein mögliches Match gegen Nepo hat. „Ich bin mir sicher, dass er das Match spielen wird!”, sagte Teimour über Magnus, der seinen Titel möglicherweise kampflos abgibt. Anish kommentierte hier Folgendes:

Richard Rapport hielt durch, um Fabiano Caruana einen Platz im Kampf um Platz 2 zu verwehren | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Fabiano Caruana hätte es zu einem Dreier-Gleichstand auf Platz 2 bringen können, aber es sollte nicht sein. Wahrscheinlich glaubte er, dass er sogar in der Berliner Verteidigung Chancen gegen den stets erfinderischen Richard Rapport haben würde, und das war zwischenzeitlich auch der Fall, aber als sich die Wogen geglättet hatten, fanden sie sich in einem Endspiel wieder, in dem der schwarze Mehrbauer nur ein nomineller Vorteil war.

In der Partie Duda-Firouzja ging es weder um den ersten noch um den zweiten Platz, aber das verhinderte nicht einen unterhaltsamen Kampf zwischen zwei ehrgeizigen, aber zweifellos enttäuschten Spielern.

Alireza Firouzja ist auf dem letzten Platz, konnte hier aber weiteren Blutverlust verhindern | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Alireza hatte zwei Partien in Folge verloren, aber das hielt ihn nicht davon ab, einen weiteren g-Bauern-Vorstoß zu spielen, der auch der erste völlig neue Zug der Partie war.

Duda dachte 25 Minuten lang nach, reagierte aber richtig, indem er die Stellung mit 23.f4! gxf4 24.gxf4 Lxf4 25.Dxb2 aufbrach, und die polnische Nr. 1 stand kurz davor, den zweiten Sieg in drei Partien zu erringen.

Er verpasste jedoch einige Chancen und verspielte schließlich in Zeitnot im 37.Zug jeglichen Vorteil.


Nach 37.Tfg2! wäre Firouzja immer noch in der Defensive, aber nach 37.Txf7 Sg3+! 38.Kg2 Tb2+! 39.Tf2 Txf2+ 40.Kxf2 Ld4+ 41.Kxg3 Lxg1 hatte Alireza die Qualität zurückgewonnen und erhielt auch einen Mehrbauern. Es war jedoch ein totes Remis, und Alireza beschloss, es für den Tag gut sein zu lassen.

Die Tabelle sieht also nach Runde12 des Kandidatenturniers − zwei Runden vor Schluss − wie folgt aus:


Jan Nepomnjaschtschi weiß, dass ein Remis mit den weißen Figuren am Sonntag ihm das Recht auf ein Weltmeisterschaftsmatch sichert, während er im Falle eines Scheiterns in der letzten Runde mit Schwarz gegen Duda antreten muss.


Selbst wenn er beide Partien verlieren sollte, ist das nur von Bedeutung, wenn Nakamura (Weiß gegen Duda und Schwarz gegen Ding) oder Ding (Schwarz gegen Firouzja und Weiß gegen Nakamura) ihre beiden Partien gewinnen. Wie wir sehen, könnte die Partie zwischen Ding und Nakamura am Montag ein spannender Kampf um den zweiten Platz werden!

Das Kandidatenturnier 2022, das von Judit Polgar und Jan Gustafsson kommentiert wird, kann täglich ab 15:00 Uhr MESZ live in unserem Stream verfolgt werden.

Siehe auch:


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