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Berichte 05.07.2022 | 12:33von Colin McGourty

Jan Nepomnjaschtschi gewinnt Kandidatenturnier 2022, Ding Liren holt sich Platz 2

Jan Nepomnjaschtschi hat zum zweiten Mal in Folge das Kandidatenturnier gewonnen und sich damit eine weitere Chance auf den Weltmeistertitel gesichert. Dass er Gesamtsieger des Turniers sein würde, stand bereits vor der gestrigen letzten Runde fest, nach der er mit einem Remis in seiner letzten Partie gegen Jan-Krzysztof Duda insgesamt eine ungeschlagene Bilanz von 9,5/14 erreichte. Platz 2 entschied sich erst in der letzten Runde in der Partie Ding-Nakamura, die Ding Liren für sich entscheiden konnte. Sollte Magnus Carlsen davon absehen, seinen Titel ein weiteres Mal zu verteidigen, könnte die nächste Weltmeisterschaft also zwischen Nepo und Ding ausgetragen werden. In der Gesamtwertung des Turniers teilt sich Hikaru Nakamura Platz 3 mit Teimour Radjabov, während Alireza Firouzja auf Platz 6 landete, nachdem er Fabiano Caruana am letzten Turniertag schlug.

Ding Liren gewann 4 seiner letzten 6 Partien, landet insgesamt auf Platz 2 und hat damit die Chance auf die Teilnahme an der nächsten Weltmeisterschaft | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Du kannst alle Partien des Kandidatenturniers 2022 einsehen, indem du die jeweilige Partie in der nachfolgenden Liste anklickst:

Und hier der Live-Kommentar zum letzten Tag von Judit Polgar und Jan Gustafsson:

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Der letzte Tag stand ganz im Zeichen des Kampfgeistes, den wir während des gesamten  Kandidatenturniers gesehen hatten − nur eine Partie endete friedlich.


Jan-Krzysztof Duda ½-½ Ian Nepomniachtchi

Jan-Krzysztof Duda hatte nicht vor, die letzte Partie gegen Jan Nepomnjaschtschi auf die leichte Schulter zu nehmen | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Jan Nepomnjaschtschi ging in den letzten Tag des Kandidatenturniers 2022 in der Hoffnung, das bittere Ende des Turniers 2021 nicht zu wiederholen, in dem er in der letzten Runde gegen Ding Liren verlor.

Es war nicht einfach, denn Jan-Krzysztof Duda wollte Blut sehen, doch letztendlich fehlte es der polnischen Nr. 1 in den entscheidenden Momenten an Präzision, und als er dann doch einen vollen Angriff startete, reichte es nur für ein Remis.

26...hxg6 27.De4! Kg7 28.Tb1 Ld5 29.Txb2 Lxe4 30.Sxe4 Tb6! − und wir hatten ein ausgeglichenes Endspiel erreicht, das in einem Remis endete.

Damit hat Jan Nepomnjaschtschi es nicht nur geschafft, fünf Siege zu erringen, sondern auch ungeschlagen zu bleiben, was ihm einen Vorsprung von 1,5 Punkten vor dem Zweitplatzierten Ding Liren einbrachte (9,5/14).


Jans Sekundanten, die seit der Weltmeisterschaft an seiner Seite sind, Ildar Khairullin und Nikita Vitiugov, hatten eine Menge zu feiern (und zitierten Christiano Ronaldo):

Die große Frage ist nun, gegen wen Jan Nepomnjaschtschi im nächsten Weltmeisterschaftsmatch antreten wird. Es wird berichtet, dass Magnus Carlsen mit der FIDE über die Bedingungen für ein mögliches Match verhandelt.

Für Jan-Krzysztof Duda war es ein enttäuschendes erstes Kandidatenturnier, auch wenn das Erreichen des letzten Platzes angesichts der Tatsache, dass er als der am niedrigsten eingestufte Spieler antrat, durchaus zu erwarten war.   

Gegenüber Anastasia Karlovich sagte er: „Ich denke, ich habe etwas besser gespielt, als es das Ergebnis vermuten lässt”.

Ding Liren 1-0 Hikaru Nakamura

Hikaru Nakamura verlor anscheinend in seiner letzten Partie die Nerven | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Dies war die einzige Partie in der Finalrunde, die wirklich wichtig war, da sie über den zweiten Platz und möglicherweise über den Spieler, der die nächste Weltmeisterschaft bestreiten darf, entscheiden würde.

Das Szenario war einfach: Ding Liren musste mit den weißen Steinen gewinnen, um den zweiten Platz zu erreichen, während jedes andere Ergebnis bedeuten würde, dass Hikaru Nakamura diesen mit 36.000 € dotierten zweiten Platz für sich beanspruchen könnte.

Hikaru sorgte für eine kleine Überraschung mit der verbesserten Tarrasch-Verteidigung im 4. Zug...

...und zunächst schien alles wie gewünscht zu laufen. Im 15. Zug bekam Hikaru die Chance, die Damen abzutauschen.

Aber nach 15...Dxd1 16.Txd1 Tfd8 17.La2 Kf7 18.h4 bereut er im Nachhinein seine Zugentscheidung, von der er denkt, dass sie ihm den Untergang bescherte.


Er erklärte in seiner Zusammenfassung:

Hier fange ich an, mich zu vertun. Ich muss erwähnen, dass ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viel Zeit verbraucht hatte. Ich fühlte mich sehr gut, ich dachte, die Partie würde sehr bald remis sein, und aufgrund dieser Einstellung und der Tatsache, dass ich mich so zuversichtlich fühlte, spielte ich den Zug 18...h6 sehr schnell, und bereute es danach sehr, sehr bald. Ich hätte stattdessen 18...Txd1+ 19.Txd1 Td8 spielen sollen.

Es gab noch viele ähnliche Momente, bis ihm der erste entscheidende Fehler der Partie im 35. Zug unterlief, als er statt 35...Td8! den Zug 35…Ld8? spielte.

Darauf folgte 36.Tb7!, wonach Ding klar im Vorteil war. Hikaru sagte über seinen Fehler:

Ich hatte das Gefühl, dass mein Timing während der gesamten Partie ein wenig daneben war. Ich weiß nicht, ob es nur daran lag, dass ich nervös war oder was genau los war, aber ich konnte mich einfach nicht dazu durchringen, viel Zeit zu verwenden, bis es zu spät war. Ich glaube, ich hatte das Gefühl, dass ich schnell spielen muss, dass ich das Tempo hochhalten muss, und letztendlich habe ich meine Zeit hier nicht sehr gut genutzt.

Hikaru nannte seinen nächsten Zug 36...f4! „einen Verzweiflungszug”, obwohl die Idee, einen Bauern zu opfern, um den h5-Bauern zu gewinnen, gut war und fast funktioniert hätte. Die Partie ging dann mit 37.gxf4 exf4 38.e4!? (38.exf4!) weiter.


Es stellte sich heraus, dass 38…f3! − womit der weiße König eingeschränkt wird − Weiß echte Probleme bereitet hätte, und Hikaru sagte: „Im Nachhinein verstehe ich nicht ganz, warum ich das nicht getan habe”, da er sich sicher war, dass er die Idee gesehen hatte.

Nach 38...Lf6 39.Sd4 Te8 hatten wir den letzten entscheidenden Moment der Partie.

Hikaru dachte zunächst, dass er die Partie hier retten würde, aber als Ding bei seiner letzten Minute war, erkannte Hikaru, dass es nicht so einfach sein würde. Ding hatte zunächst mit der Zeitkontrolle in Madrid zu kämpfen, aber er fand 40.Kg2!, mit der taktischen Idee, dass 40...Txe4 mit 41.Kf3 beantwortet werden würde.

Hikaru gab wieder seiner Nervosität die Schuld, als er nach 40...Se5 41.Sf5 schnell den Zug 41...f3+?! spielte anstatt des deutlich besseren 41...Sc4!, und nach 42.Kg3 Sc4 43.Le7! stand Ding vollkommen auf Gewinn und zeigte uns vorbildlich, wie man eine Gewinnstellung ohne Umschweife zum Sieg führt.




Durch seinen Sieg gegen Hikaru könnte Ding Liren, der erst nach der Sperre von Sergey Karjakin zum Kandidatenturnier zugelassen wurde, nun doch für die Teilnahme an der nächsten Weltmeisterschaft in Frage kommen, wenn Magnus sich entscheidet, seinen Titel nicht ein weiteres Mal zu verteidigen. Ding äußerte allerdings Zweifel daran:

Es kann wirklich sein, dass er nicht spielt. Ich denke, ihm fehlt die Motivation, den Titel erneut zu verteidigen. Außerdem kostet das Turnier im Vergleich zu anderen Turnieren viel mehr Energie und Vorbereitung. Vielleicht ist er sich deshalb nicht sicher, ob er spielen wird oder nicht, aber ich glaube, wenn die Weltmeisterschaft näher rückt, wird sein Herz vielleicht doch anfangen zu brennen, und dann wird er wohl doch spielen wollen.

Es wird sich wohl früher oder später zeigen, was für die nächste Weltmeisterschaft zu erwarten ist. Von Ding Liren werden wir in diesem Jahr aber leider nicht viel mehr am Brett sehen. Die chinesische Mannschaft nimmt nicht an der Olympiade teil, und Ding sagt, dass Corona es immer noch sehr schwierig macht zu reisen.

Richard Rapport 0-1 Teimour Radjabov

Richard Rapport hat zwar die volle Punktzahl für seinen Style erhalten, aber die letzte Partie hat er leider verloren | Foto: Stev Bonhage, FIDE


Teimour Radjabov wurde vom Chicken Chess Club in Bezug auf seine Chancen auf einen Sieg beim Kandidatenturnier mit 0/15 bewertet. In gewisser Weise bewahrheitete sich diese Einschätzung, aber der aserbaidschanische Star zeigte definitiv auch große Leistung, da er 3 seiner letzten 6 Partien gewann und damit den dritten Platz belegte.

Es waren auch nicht irgendwelche Siege: Er schlug Hikaru Nakamura und Ding Liren sehr eindrucksvoll. In der letzten Runde verhinderte er dann, dass Richard Rapport, der ein enttäuschendes Ergebnis von -3 erzielte, das Turnier mit einem guten Gefühl beenden konnte.


Mit seinem Sieg gegen Rapport rückte Radjabov auf Platz 15 der Weltrangliste vor und hätte Rapport, der auf Platz 14 zurückgefallen war, fast noch eingeholt.

In der letzten Partie des Tages überholte Alireza Firouzja seinen Gegner Fabiano Caruana und beendete das Turnier als Weltranglistenvierter auf der Live-Ratingliste, trotz eines harten Turniers, das für ihn insgesamt weniger gut gelaufen war.



Fabiano Caruana 0-1 Alireza Firouzja

Fabiano Caruana hatte eine überzeugende erste Hälfte des Kandidatenturniers hingelegt: Er gewann drei Partien, wirkte frisch und hatte überraschende und gefährliche Neuerungen im Gepäck. Dann brach alles zusammen, nachdem Hikaru Nakamura in der 8. Runde seine Eröffnungsvorbereitung durcheinanderbrachte und Fabiano in einer Stellung übertrumpfte, mit der keiner der beiden Spieler vertraut war.

Nach dieser langen, schmerzhaften Partie verpasste Fabiano eine große Chance, Nepo zu schlagen, bevor er gegen Jan-Krzysztof Duda und Ding Liren verlor. Die Alles-oder-Nichts-Methode hatte zu nichts geführt, und es war klar, dass Fabiano einige Runden vor Schluss bereits keinen Stich mehr sah.

Vishy Anand war zur Stelle, um den ersten Zug in der Partie Caruana-Firouzja aufs Brett zu bringen | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Leider traf Fabi dann in der letzten Runde auch noch auf einen Alireza Firouzja, der − obwohl er nie richtig ins Turnier gekommen war − immer noch vor Ehrgeiz brannte. Der 19-Jährige hatte vier Partien verloren und nur eine gegen Richard Rapport gewonnen, aber wie Anish Giri es ausdrückte:

Wenn du an einem schlechten Tag gegen Alireza spielst und ein 2800er Spieler bist, dann wirst du verlieren, zu 100%! Auf ein Remis kannst du nicht hoffen, denn er hat das Remis aus der Gleichung genommen.

Im späten Mittelspiel hatte Fabiano eine Stellung, in der es fast unmöglich schien, zu verlieren, aber er kam vom Weg ab und fand sich in einem Endspiel mit einem Bauern weniger wieder. Es sah immer noch so aus, als sollte er das Remis halten, aber mit 60.Se4? unterlief ihm der letzte Fehler, und Alireza schlug mit 60…Th3+! zu.

Beide Spieler sahen geschockt aus, als sie die letzten Züge des Turniers spielten, wobei Fabianos Augenbrauen eine Menge Arbeit leisteten.

Dieser letzte Sieg bedeutete, dass Firouzja Rapport und Duda noch in der Ergebnisliste übersprang, während Fabiano nur Fünfter wurde. Jan Nepomnjaschtschi landete mit einem erstaunlichen Vorsprung von 1,5 Punkten vor Ding Liren. 

In der nachfolgenden Tabelle kommst du mit einem Klick auf die Partien zur jeweiligen Computeranalyse. Wenn du mit dem Mauszeiger über den Namen eines Spielers fährst, siehst du alle seine Ergebnisse.

Damit endet das Kandidatenturnier 2022 in Madrid, bei der Jan Nepomnjaschtschi und möglicherweise auch Ding Liren sich als Sieger fühlen können.

Jan Nepomnjaschtschis Trophäe, mit einer etwas seltsamen Aufschrift | Foto: Stev Bonhage, FIDE

Die Schachwelt hört jedoch nicht auf, sich zu drehen, und viele große Namen werden wahrscheinlich in Aktion sein, wenn die Deutsche Schachbundesliga in Bremen mit vier Runden von diesem Donnerstag, dem 7. Juli, bis Sonntag zu Ende geht, während am Sonntag, dem 10. Juli, das nächste Meltwater Champions Chess Tour-Event beginnt, zu dem wir bald Einzelheiten bekannt geben werden!

Siehe auch:


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