Berichte 25.02.2015 | 10:12von chess24 staff

Auftakt zur Europameisterschaft

In der historischen Altstadt von Jerusalem begann gestern die Europameisterschaft mit 250 Spielern aus 33 verschiedenen Nationen. Obwohl es sich um ein Open handelt, ist das Turnier traditionell sehr stark besetzt. 2015 bildet da keine Ausnahme – bereits die Auftaktpartien an den ersten 30 Brettern waren teils hart umkämpft, und es kam zu zwei Außenseitersiegen und 16 Remisen. Eine leichte erste Runde für die Favoriten sieht definitiv anders aus!

Tanz bei der Eröffnungsfeier |Foto: Offizielle Webseite

Die Setzliste führt der tschechische Großmeister David Navara (2735) an, der momentan in guter Form ist. Mit 29 Jahren scheint er sein inneres Gleichgewicht gefunden zu haben und er hat zweifellos das Können, um sich in die Top 10 der Welt vorzukämpfen.

Dieselbe Elo-Zahl wie Navara weist der russische GM Nikita Vitiugov auf, der zuletzt beim Gibraltar Masters gut abschnitt. Das Favoritentrio perfekt macht der ukrainische Großmeister Pavel Eljanov (2727); mit Nepomniachtchi, Bacrot und Vallejo Pons sind zudem drei weitere 2700er im Feld. Bereits in der ersten Runde kam es zu einigen interessanten Duellen, aus denen wir die entscheidenden Positionen ausgewählt haben.

David Navara musste in seiner ersten Partie gegen den erfahrenen portugiesischen IM Rui Damaso antreten. Schon in der Eröffnung beschloss Navara, Komplikationen herbeizuführen.


Mit dem Bauernmarsch h5-h4 goss David mächtig Öl ins Feuer und opferte bereits im zehnten Zug nach dem weißen 10. d5 einen Springer. In einer wilden Partie landeten die beiden Kontrahenten nach einigen Höhen und Tiefen in einem ausgeglichenen Endspiel, in dem Navara aber weiter auf Sieg spielte. Damaso verteidigte sich bis zum Schluss zäh und hätte beinahe das Remis erreicht. Am Ende waren seine Bemühungen aber vergeblich – in einem lehrreichen Finale gelang es Navara, den vollen Punkt einzufahren.


Das Ziel des Weißen muss sein, seinen König nach b2 zu stellen und dabei nicht den Springer zu verlieren. Damaso spielte das scheinbar natürliche 63. Sd1?, das aber nicht funktioniert, weil der Springer nach 63 ... Le6 64.Sf2 Ke3 wieder nach b2 zurück und damit seinem König das Idealfeld nehmen muss. Die einzige Chance des Weißen war 63. Sa4 b5 64. Sb6, wonach Schwarz den Springer nicht fangen kann. Der Computer bewertet die schwarze Stellung zwar als glatt gewonnen, davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen!

Sehr unterhaltsam verlief die Partie zwischen Ilia Iljiushenok und Pavel Eljanov. Der Außenseiter hatte das Vergnügen, einen der schönsten Züge der ersten Runde auszuführen.


Nach einem vorausgehenden Springeropfer auf f6 drang Iljiushenok mit 23. Tg7! in die schwarze Stellung ein. Der Turm kann nicht genommen werden, da nach exf6+ die schwarze Dame hängt (wieder einmal geht es um Figuren, die nicht gedeckt sind!). Eljanov verteidigte sich aber zäh und fand ein Damenopfer, mit dem er seinen König retten konnte. Nach der Abwicklung hatte Weiß mit der Dame und zwei Bauern gegen Turm und Läuferpaar ausreichend Material. In diesem komplizierten Endspiel erwies sich Eljanov aber als der bessere Spieler und brachte den Sieg nach Hause.

Schaut euch zu dieser Partie die instruktive Videoanalyse von Großmeister Jan Gustafsson an:

Der spanische Großmeister Paco Vallejo brachte gegen den israelischen GM Gruenfeld eine interessante Neuerung. Paco gilt schon seit vielen Jahren als Koryphäe in der Eröffnungstheorie und packte in einer vieldiskutierten Variante der Sizilianischen Verteidigung mit 16. Ld3 einen neuen Zug aus. Einige Züge später landete Vallejo dann in einer bekannten Stellung aus einer Partie von Kotronias und hätte nach einem Fehler Gruenfelds mit einer hübschen Kombination gewinnen können.


Schwarz hatte gerade mit dem Läufer den weißen Springer auf d4 geschlagen, worauf Vallejo mit 19.De4 und gleichzeitigem Angriff auf h7 und d4 die Figur zurückgewann. Wie Kotronias bereits demonstrierte, hätte Weiß mit 19.Lxh7! aber entscheidenden Angriff bekommen können. Nach 19 ... Txh7 20.Txd4 überführt der Weiße seine Schwerfiguren auf die h-Linie und Schwarz hat keine ausreichende Verteidigung. Wie die schwarze Verteidigung konkret ausgehebelt wird, kann man wie immer in unserer Live-Übertragung nachverfolgen.

Eine große Überraschung war der Sieg des 14-jährigen Talents Alexey Sarana (2419) gegen den erfahrenen Sergei Zhigalko (2675). Zhigalko kam als Schwarzer sehr gut aus der Eröffnung, und es schien nur eine Frage der Zeit, bis er seinen unerfahrenen Gegner überspielen würde. Mit einem Qualitätsopfer erhöhte der Schwarze den Druck, doch Sarana konnte die Qualität zurückgeben, wonach Weiß nichts mehr zu befürchten hatte. Bis zum 40. Zug verlief die Partie ausgeglichen, doch dann machte Zhigalko den entscheidenden Fehler.


In leichter Zeitnot führte Zhigalko den nachlässigen Zug 40… Kg7 aus, der sofort Material verliert. Nach 41. Lc6! ist der schwarze Springer angegriffen und muss durch den Turm gedeckt werden. Egal wohin der schwarze Turm geht, kommt die nächste Fesselung und Schwarz verliert zwangsläufig entscheidend Material.

Die größte Überraschung des Tages war aber der Sieg des 17-jährigen Israelis Itay Westreich, dem es mit einer Elo von lediglich 1929 gelang, seinen Landsmann GM Victor Mikhalevski (2559) mit den schwarzen Steinen zu besiegen. Mikhalevski opferte in der Eröffnung einen Bauern und erhielt mehr als ausreichende Kompensation. Sein junger Gegner hing bereits in den Seilen, doch der Favorit fand nicht den entscheidenden Schlag und verlor sukzessive die Initiative. Im 35. Zug bekam Westreich seine Chance und nutzte sie, um den vollen Punkt zu erobern!


Mit dem brillanten 35 ... Tf2! gewann Schwarz die ungedeckte weiße Dame auf g5, da Weiß das folgende Abzugsschach des Springers e5 nicht verhindern kann. Zweifellos der bisher größte Sieg des 17-jährigen Itay Weinreich, der sich zudem um einen Elo-Zuwachs von 36,8 in einer einzigen Partie freuen durfte. Heute muss er gegen den Spanier Paco Vallejo ran, der fast 800 Punkte mehr aufweist.

Siehe auch:



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