Berichte 16.09.2016 | 16:44von Colin McGourty

18 Schlussfolgerungen der Olympiade in Baku 2016

Sam Shankland hält die Trophäe beim historischen Sieg der USA.| Foto: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad 

Das neu zusammengestellte Team der USA konnte die hohen Erwartungen erfüllen und das erste Mal seit 40 Jahren die Olympiade gewinnen. Am Ende war ein hauchdünner Vorsprung in den Tiebreaks entscheidend, um die Ukraine auf Platz zwei zu verweisen.

Alle großen Teams konnten wie erwartet in der letzten Runde einen Sieg einfahren, wodurch Russland Bronze gewann und Indien Rang vier belegte. Bei den Frauen sah es für einige Zeit so aus, als würde Russland China schlagen und das vierte Mal Gold in Folge gewinnen, aber stattdessen gelang es China die Partie zu drehen, wodurch die von Hou Yifan angeführte Truppe die Goldmedaille errang. Polen belegte Rang zwei und Ukraine gewann Bronze. Damit schafften es die russischen Frauen noch nicht einmal aufs Podium. In diesem Artikel ziehen wir einige Schlüsse aus der Veranstaltung. 

Auch Jan Gustafsson hat wieder ein Video mit den Highlights erstellt, was sehr empfohlen werden kann: 

Aber lasst uns nun endlich mit der Diskussion der Ereignisse loslegen:

1. Der Sieg der USA war absolut verdient

Es ist schwierig eine Olympiade zu spielen, wenn man als Favorit gehandelt wird - siehe Russland - aber wenn die amerikanischen Spieler den Druck gespürt haben, so hat man es ihnen zumindest nicht angemerkt. Als Mannschaft gaben sie nur zwei Remis ab, gegen Tschechien und Russland. Am Ende lagen sie mit 20/22 Punkten vorn:

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
12United States of AmericaUSA1192020413,531,5152,00
25UkraineUKR11100120404,531,0153,00
31RussiaRUS1182118419,032,0151,00
49IndiaIND1172216350,527,5158,00
512NorwayNOR1172216344,526,5147,00
619TurkeyTUR1172216341,530,0135,00
77PolandPOL1172216331,029,5132,00
88FranceFRA1164116326,530,0131,00
96EnglandENG1172216323,026,5144,00
1034PeruPER1172216306,026,5139,00

Caruana war am ersten Brett wie ein Fels in der Brandung. Er verlor keine einzige Partie und ihm gelang der entscheidende Sieg gegen die Ukraine. 

Fabiano fand sogar die Zeit in der letzten Runde Eric Hansen auf den Arm zu nehmen, indem er ein T-Shirt mit Auszügen aus einem bekannten Interview des Kanadiers trug.  | Foto: David Llada| Baku Chess Olympiad 

Hikaru Nakamura spielte jede Runde. Dabei gewann er fünf Partien und erlitt nur eine unnötige Niederlage. Wesley So hingegen wurde bester Spieler am dritten Brett mit sieben Siegen und drei Remis. Dabei hätte er sogar noch mehr Partien gewinnen können. Sam Shankland und Ray Robson steuerten zusammen weitere sechs Siege bei und spielten eine gute Olympiade.

Nakamura: Gold!!! Wir hatten alle unsere Höhen und Tiefen, aber es ist ein Team-Event und jeder Spieler gewann Partien in kritischen Momenten. 

Fabiana Caruana: Team USA! Vielen Dank an alle die uns unterstützt haben und an meine Teamkameraden. Ich bin momentan sehr stolz.

Garry Kasparov: Glückwunsch an das Team der USA, die die hohen Erwartungen erfüllen konnten und das erste Mal seit 40 Jahren Gold gewannen.  

2. Es lohnt sich Nerds zu verpflichten!

Wir sollten gleich zu Anfang hinzufügen, dass Fabiano Caruana in den USA geboren und aufgewachsen ist, während Wesley So seit Jahren dort lebt. Dennoch ist man in Versuchung wie die Daily Show zu behaupten, dass der "Aufkauf von Nerds" zum Olympiasieg geführt hat: 

Und wenn auch nur, weil Magnus Carlsen zwei Monate nachdem der Wechsel von Caruana von Italien zu den USA bekanntgegeben wurde die Entscheidung folgendermaßen kommentierte:

Hammer: Caruana wechselt zum amerikanischen Verband. 

Magnus Carlsen: Also kaufen sie tatsächlich Nerds.

Und nachdem die Olympiade beendet war:

Carlsen: Ein toller fünfter Platz für unser junges Team bei der Schacholympiade. Ich bin so stolz auf meine Teammitglieder!

Wir brauchen wahrscheinlich eine stärkere Besetzung, wenn wir noch weiter vorne landen wollen. Ich frage mich, ob Caruana und So immer noch zum Verkauf stehen. 

Ruslan Ponomariov von der zweitplatzierten Ukraine schrieb:

“Macht nichts, das nächste Mal werden wir auch Spieler einkaufen und dann den ersten Platz belegen...@Igor Kovalenko Komm zurück in unser Team!"

Aber es gibt keinen Grund für die Ukraine sich zu beschweren, denn...

3. Die Ukraine hat die Olympiade gewonnen

Zumindest in gewissem Sinne! Die Ukraine war das einzige Team, das sowohl bei den Männern (Silber), als auch bei den Frauen eine Medaille (Bronze) gewann und daher den Nona Gaprindashvili Cup für das beste Gesamtergebnis verliehen bekam. Die Frauen hatten in der Mitte des Turniers einen Durchhänger, nachdem sie einen sicher geglaubten Sieg gegen Russland noch aus der Hand gaben, während die Männer abgesehen von ihrer knappen Niederlage gegen die USA alle anderen zehn Partien gewinnen konnten. 

Nona war selbst anwesend, um dem Team aus der Ukraine zu gratulieren. | Foto: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad

Bei den Einzelspielern konnte die Ukraine auch glänzen. Anna Muzychuk wurde beste Spielerin am ersten Brett bei den Frauen, während bei den Männern abgesehen von Ruslan Ponomarjov alle Spieler eine Leistung von über 2700 erzielten und dass, obwohl nur zwei eine solch hohe Ratingzahl aufwiesen. Das beste Ergebnis erzielte Andrei Volokitin mit 8.5/9 und einer Performance von 2992. Damit wurde er bester Spieler am fünften Brett. 


Das ukrainische Team erhielt einen begeisterten Empfang bei der Rückkehr nach Kiev:

"Die Nationalteams der Ukraine, die in Baku Silber und Bronze erzielt haben, bei der Ankunft in Kiev"

4. Mach Kanada Eric Hansen verantwortlich 

In unserem Bericht zur vorletzten Runde hatten wir dargelegt, dass wenn die USA nicht gewinnen sollten, sie Kanada die Schuld geben könnten... Peter Svidler bezog sich darauf in seiner Zusammenfassung der Olympiade am Beginn seiner Banter Blitz Show:

Er betonte dabei die Rolle des “chessbrah” Eric Hansen:

"Es scheint als sei der größte Einfluss auf die Olympiade vom einmaligen "chessbrah" [Eric Hansen] ausgeübt worden, weil Kanada - und dabei bin ich sehr sicher - dem besten Olympiaergebnis aller Zeiten...hatte ein fantastisches Turnier... In der Partie zwischen Kanada und der Ukraine hatte Eric Hansen am vierten Brett einen total gewonnene Stellung gegen Volokitin, wodurch die Kanadier ihr Match hätten gewinnen können, wenn er den Sieg eingefahren hätte. Allerdings hat er seine gute Stellung verspielt. Er wähle einen sehr spektakulären Zug in einer Stellung, die mit normalen Zügen gewonnen war und übersah dabei einen Zwischenzug. Die Stellung war danach immer noch ausgeglichen, aber durch seinen Fehler kam er wie ich vermute so durcheinander, dass er am Ende sogar aufgeben musste. Dadurch verlor Kanada gegen die Ukraine und heute gewann Eric eine wichtige Partie gegen Shankland an Brett vier, wodurch die Partie zwischen den USA und Kanada heute sehr knapp wurde. Die USA gewannen nur mit 2,5 zu 1,5 und nicht mit größerem Vorsprung. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein höherer Sieg alle Fragen nach einem Tiebreak entschieden hätte und die Goldmedaille für die USA gesichert hätte. Aber die Tatsache, dass "chessbrah" heute gewonnen hat, bedeutet, dass ich meine Show heute mit dieser Einleitung starte..."

Am Ende wurde Eric nicht die allmächtige Kraft, die den Ausgang der Olympiade entschied, aber zur Zeit der Videoserie war das noch nicht klar...

5. Das Tiebreak-System muss geändert werden

Als Pavel Eljanov Alexander Beliavsky aus Slovenien schlug und damit den 3,5 zu 0,5 Sieg für die Ukraine perfekt machte, gab es einen kurzen Moment ausgelassener Freude. Pavel wurde sofort von Teamkollegen gratuliert, die wohl dachten, dass die Ukraine ihren Triumph von 2010 wiederholt hätte:

"Eljanov gegen Beliavsky: Drama, Verwirrung und verfrühter Jubel."

Letztlich zeigte sich, dass sie mit ihrer Einschätzung falsch lagen oder besser gesagt, dass noch nichts entschieden war, obwohl alle Schlüsselspieler ihre Partien bereits beendet hatten. Die erste Tiebreak-Wertung war Sonneborn-Berger, die von allen Teams gegen welche die USA und die Ukraine im Laufe des Turnier angetreten waren, abhing... Für einen Sieg der Ukraine war es nötig, dass die an Rang 91 gesetzten Jordanier gegen Myanmar gewannen (dies geschah) und dass Estland (gesetzt an 61) gegen Deutschland gewann (möglicherweise hätte auch ein Remis gereicht), was nicht passierte. Also wenn Estland an Tisch 28 mit seinen Flügeln schlug, konnte wie beim Schmetterlingseffekt das Ergebnis der Olympiade sich ändern...Die Partien in diesem Aufeinandertreffen endeten nach 72, 75 und 100 Zügen, aber entscheidend war der Sieg von Matthias Bluebaum gegen Tarvo Seeman nach einem Fehler im 59. Zug, dass am Ende die USA den Champagner herausholen konnten. 

"Matthias Bluebaum mit dem Sieg des Turniers! Vielen Dank für die Unterstützung, Deutschland! :-)"

Es muss wohl nicht extra gesagt werden, dass diese unklare Situation bezüglich des Ausgangs der Olympiade sowohl Amüsement als auch Kritik auslöste.

Trent: "Ein weiteres irrsinniges Tiebreak-System...völliger Wahnsinn. Unabhängig vom Ergebnis muss das System vor der nächsten Olympiade geändert werden:"

ChessVibes: "Will jemand das Ergebnis gegenprüfen?"

Mig Greengard: "Fairerweise muss man zugeben, dass es extrem viel Arbeit war ein Tiebreak-System zu entwerfen, das tausende von Schachspielern in sechs Stunden nicht verstehen können. 

Jan Gustafsson: "Glückwunsch an die USA! Ich hoffe, dass noch ein anderer Sport das Tiebreak-System übernimmt. Dann endet die Spannung nicht mit dem Event."

Der Kapitän der norwegischen Männer, Jonathan Tisdall, sprach sich aber für die Sonneborn-Berger Wertung aus. 

Mark Crowther: "Würde man nur die Brettpunkte zählen wäre das Ergebnis so gewesen: Russland 32 Punkte, USA 31,5 und Urkaine 31, Kanada 30,5, Türkei und Frankreich 30."

Tisdall: "Da ich hier bin mit einem Team, das gegen viele starke, unterbewertete Mannschaften gespielt hat, finde ich das Tiebreak-System gut."

Jedoch kann man zahlreiche Argumente gegen das System finden, zum Beispiel was wäre, wenn du gegen Bulgarien verloren hättest, für die Veselin Topalov für fünf Runden antrat? Da Topalov nach fünf Runden ging, um bei der Geburt seines Kindes dabei zu sein, wärst du für die schlechte Leistung Bulgariens im weiteren Turnierverlauf bestraft worden. Also bei der Wahl zwischen fehlerhaften Systemen, warum sollte man nicht Brettpunkte wählen und damit eine Wertung, die für alle Zuschauer und Teilnehmer nachvollziehbar ist?

Greg Shahade geht in der Zwischenzeit noch weiter und diskutiert die ungleichen Paarungen in der letzten Runde. Aus seiner Sicht sollte ein Playoff statt eines Tiebreaks über die Goldmedaille entscheiden.  

"Ok, alle zusammen, ich habe die Lösung für die Olympiade gefunden."

6. Indien hat den größten Sprung gemacht

Der Endstand der Olympiade zeigt nicht immer die ganze Wahrheit. Beispielsweise wurde die Türkei, die an Platz 19 gesetzt war am Ende sechster. Allerdings erreichte sie dies, ohne gegen ein einziges Team der ersten elf gesetzten Mannschaften angetreten zu sein. Der Trick scheint darin zu bestehen in der dritten Runde gegen Italien zu remisieren oder zu verlieren, was auch dem indischen Team 2014 in Tromso gelang. Damals waren die Inder an 19 gesetzt und wurden von den Topteams lediglich gegen Armenien gepaart. Dass sie damals Bronze errangen war eine große Überraschung und hart für Russland und Aserbaidschan, die genauso viele Punkte gegen wesentlich stärkere Gegner erzielten, aber am Ende ohne Medaille nach Hause fahren mussten. 

Das indische Team hat zwar keine Medaille gewonnen, aber sie können trotzdem Stolz sein. | Foto: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad

Beim diesjährigen Auftritt des indischen Team war kein "Zufall" dabei. Ab Runde vier wurden sie immer gegen starke Teams gepaart, darunter gegen Platz eins, zwei, drei und fünf. Indien, du magst es bereits vermutet haben, wurde am Ende vierter. Auch wenn das im Vergleich zu 2014 wie ein Rückschritt erscheint kann man sagen, dass das indische Team gereift ist. Die indischen Frauen kamen auch auf Platz fünf , was ihrem Setzlistenplatz entsprach. Dabei verloren sie nur ein einziges Match in elf Runden.  

Vishy Anand fasste das Ergebnis auf  Twitter folgendermaßen zusammen:

Glückwunsch an das indische Männer- und Frauenteam bei der Olympiade. Bei der Olympiade kann in den letzten drei Runden viel passieren. Sethuraman spielte sehr kreativ. Er gewann entscheidende Punkte. Seine Niederlage gegen Sam war sehr unglücklich. Adhiban zeigte viel Reife. Hari spielte gut, insbesondere in entscheidenden Partien. Sein Sieg gegen Sergey war sehr elegant. Harika agierte in der ersten Partie sehr unglücklich. Schach ist ein grausames Spiel."


7. Nichts lief für Russland

Und so ging es weiter. Wenn die nächste Olympiade 2018 im georgischen Batumi beginnt werden 16 Jahre vergangen sein, seitdem die russischen Männer die Goldmedaille errangen, auch wenn sie in dieser ganzen Zeit jedes Mal auf Platz eins gesetzt waren. Der Präsident der russischen Schachföderation Andrei Filatov übernahm diesmal selbst die Leitung, aber auch er war nicht erfolgreicher als seine Vorgänger Evgeny Bareev und Yuri Dokhoian. 

Eine Medaille für Russland, aber nicht die Farbe, die sie wollten.| Foto: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad

Entscheidend war die Partie gegen die Ukraine in der vierten Runde, in der Karjakin aussetzte und sowohl Evgeny Tomashevsky als auch Alexander Grischuk gute Stellungen mit Weiß verloren. Wir von chess24 wurden dafür kritisiert, dass wir da schon die Frage aufwarfen, ob Russlands Warten auf eine Goldmedaille weitergehen würde. Auch wenn das vielleicht etwas verfrüht war, so kann man nun sagen, dass man für den Gesamtsieg in Baku nur zwei Punkte liegen lassen durfte! Russland hätte also alle Matches danach gewinnen müssen, gab aber gegen die USA und Indien noch zwei Remis ab.

Jedoch gab es nicht nur schlechte Nachrichten. Ian Nepomniachtchi gewann seine ersten sieben Partien, während das Spiel von Kramnik von Peter Svidler passend beschrieben wurde: 

"Vladimir Kramnik zeigt wieder einmal, dass er derzeit mit das beste Schach seiner Karriere spielt. Es ist nicht nur das Ergebnis, das er an Brett eins und zwei erzielt hat... aber die Art und Weise wie er sich zur Zeit mit Schach beschäftigt ist absolut fantastisch. Es ist eine Freude zuzuschauen." 

Normalerweise verringern die russischen Frauen bei Olympiaden die Enttäuschung und diesmal wäre es ihnen auch fast gelungen. Als Natalia Pogonina in der letzten Begegnung gewann, sah es so aus als könnte Russland seine vierte Goldmedaille in Folge gewinnen. 

Kosteniuk & Hou Yifan für ihre Teams zum entscheidenden Showdown. | Foto: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad

China schlug jedoch zurück und Valentina Guninas Serie von sieben Siegen in 9 Partien endete durch eine Niederlage gegen Ju Wenjun, während Alexandra Goryachkina in schwieriger Stellung patzte. Schach ist manchmal grausam und binnen Minuten rutschte Russland von der möglichen Goldmedaille auf den vierten Rang ab. Damit platzierte sich die Ukraine sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen vor Russland. 

Rk.SNo TeamTeamGames  +   =   -  TB1  TB2  TB3  TB4 
11ChinaCHN1192020416,031,0149,00
27PolandPOL1181217427,533,0152,00
32UkraineUKR1173117404,530,5156,00
43RussiaRUS1172216380,529,0157,00
55IndiaIND1164116342,528,0146,00
66United States of AmericaUSA1172216332,527,0149,00
719VietnamVIE1172216328,027,5145,00
816Azerbaijan 1AZE1172216309,025,5151,00
918IsraelISR1172216307,526,5137,00

8. Olympiagold für Hou Yifan war lange überfällig

Die lange erwartete Goldmedaille für das chinesische Frauenteam | Foto: Maria Emelianov, Baku Chess Olympiad

Bemerkenswerterweise war dies die erste Olympia-Goldmedaille für die Frauenweltmeisterin Hou Yifan, die seit 2006 für China spielt. Noch ungewöhnlicher war aber, dass auch wenn China 20/22 Punkten erzielte das Turnier für sie nicht besonders gut war. Weder Hou Yifan noch die chinesische Mannschaft spielten besonders überzeugend, wie Yifan auch in der Pressekonferenz zugab. 

Tan Zhongyi erzielte das beste Ergebnis mit sieben Siegen und vier Remis and Brett vier. Damit war sie die einzige chinesische Spielerin, die eine Leistung oberhalb ihrer Elozahl erspielte. 

9. Baadur Jobava ist ein Teamplayer

Baadur “spielt weiterhin sein einzigartiges Schach” (Svidler) und war damit in Baku sehr erfolgreich und erzielte 8 aus 10 Punkten und eine Leistung von 2926 am Spitzenbrett. 

Baadur won the prestigious 1st board individual gold medal, ahead of Leinier Dominguez (silver) and Fabiano Caruana (bronze) | photo: Maria Emelianova, Baku World Cup

Für Georgien gab es in der Schlussrunde eine schmerzliche Niederlage gegen die Türkei nach einem eigentlich guten Turnier. 

Baadur erkläre hinterher, wie das Spielen in einem Team ihn beeinflusst:

"Ich bin 100% mehr motiviert als in individuellen (Events)... man hat eine größere Verantwortung. Wenn du am ersten Brett spielst, bist du wie eine Art von Anführer. Du bist ein Beispiel für die anderen. 

Im weiteren Interview stelle Jobava die These auf, dass das Fehlen eines Teamleaders wie Garry Kasparov Russland vom Erfolg abhalte. Hier findest du sein Interview nach dem Turnier mit Anastasia Karlovich:

10. Es ist hilfreich, einen Weltmeister im Team zu haben

Wo wir von Anführern sprechen...Norwegen erreichte einen beeindruckenden fünften Platz und damit seine beste Platzierung aller Zeiten. Man könnte allerdings auch anführen, dass wenn man den vielleicht besten Spieler aller Zeiten in seinen Reihen hat etwas falsch macht, wenn man kein gutes Ergebnis einfährt. 

Magnus spielte alle Runden bis auf die erste und erzielte mit +5 ein gutes Ergebnis, auch wenn er vier Ratingpunkte verlor. Unter den anderen Spielern war Frode Urkedal besonders beeindruckend, der einige wichige Siege einfuhr. Jon Ludvig Hammers neun Remis und zwei Niederlagen waren für ihn ein eher schlechtes Ergebnis. 

Norway finished 5th and could even have made it to fourth if they'd won rather than drawn with India in their final match | photo: David Llada, Baku Chess Olympiad

Zumindest bei der Abschlusszeremonie konnte Jon Ludvig dann noch punkten:

"Ich wurde der Held der Sektion 111 bei der Abschlusszeremonie in Baku, da ich das wifi-Passwort auftreiben konnte. "

11. Griechenland hat etwas besonderes geschafft

Wir haben diese Geschichte bereits für einige Zeit verfolgt, aber jetzt ist es vollbracht: Griechenland hat die Olympiade neben den USA als einziges Team ungeschlagen beendet (Bei den Frauen blieb nur China ohne Niederlage). Mit dem Remis in der letzten Runde gegen Indien haben die Griechen ein Gesamtergebnis von vier Siegen und sieben Remis erzielt. Frankreich hatte am zweithäufigsten Remis gespielt und zwar viermal. 

12. Torre der Große

Wieder einmal wird das Wort an Peter Svidler übergeben, welcher das Ergebnis des 64 Jahren alten Eugenio Torre von 10/11 in dessen 23. Olympiade als "offen gesagt kaum zu glauben" bezeichnete.

"Ich wollte ein bisschen über Leute sprechen, die mich am meisten beeindruckt haben und irgendwie habe ich seine Leistung in meinen früheren Banter-Shows nicht erwähnt, was lächerlich ist, aber ich denke der Ehrenplatz gehört Eugenio Torre. Du weißt vermutlich wer er ist und du hast vermutlich auch schon über sein Ergebnis gelesen, aber was er während dieser Olympiade erreicht hat ist absolut beeindruckend. Er ist mittlerweile kein junger Mann mehr und er ist gegen sehr starke Gegner angetreten. Die Philippinen haben eine relativ gute Mannschaft und sie hatten fast durchgehend starke Gegner. Das Ergebnis von Eugenio in diesem Turnier ist absolut fantastisch!

Eugenio Torre (right) took bronze on board 3, since Wesley So (gold) and Zoltan Almasi (silver) racked up their scores against stronger opposition | photo: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad

13. Einige Teams gingen verloren

Vor dem Turnier wussten wir bereits, dass die Olympiaspezialisten aus Armenien leider nicht ins Nachbarland Aserbaidschan reisen würden, aber selbst während des Events fielen einige hochgehandelte Mannschaften so weit zurück, dass sie nicht einmal beim Rennen um die Spitzenplätze dabei waren. Dies trug dazu bei, dass in der Schlussrunde Mannschaften mit relativ unterschiedlicher Spielstärke gegeneinander antraten. Der Olympiasieger von 2014, China, und Aserbaidschan verloren jeweils drei Matches. Die beiden Mannschaften, die an drei und vier gesetzt waren, beendeten die Olympiade auf den Plätzen 12 und 13. Es ist schwer die schlechte Verfassung von Spielern wie Li Chao, Wang Yue, Wei Yi und Arkadij Naiditsch zu erklären, aber irgendetwas ist schief gelaufen. Im Falle Aserbaidschans könnte es am Druck als Ausrichter gelegen haben, wie Jobava bemerkte. 

14. Behaltet Iran im Auge

Trotz der schmerzhaften Niederlage gegen Norwegen in der vorletzten Runde beendete Iran das Turnier auf Rang 16 und damit deutlich besser als es der Setzlistenplatz 46  vermuten lassen würde. Alle Spieler erzielten eine Leistung oberhalb ihres Ratings. 

Bo.NameRtgFED1234567891011Pts.GRprtg+/-
1GMGhaem Maghami Ehsan256610½1½½1½½016,511263210,9
2Maghsoodloo Parham256611½11½½½½½18,011268418,6
3IMLorparizangeneh Shahin24781½½1011½10½7,011258016,8
4Firouzja Alireza24631½1½1½004,5825015,6
5FMGholami Aryan24350112,0325023,3

Die Spieler an den Bretter zwei bis fünf sind 16,17,13 und 15 Jahre alt und man darf gespannt sein, wie die Truppe bei zukünftigen Olympiaden abschneidet. Andere Überperformer waren der Sudan (Setzplatz 110; Am Ende 71.), Südsudan (Setzplatz 176; Am Ende 107.) und das beste südamerikanische Team, Peru, das auf 34 gesetzt war und durch ein Remis in der letzten Runde gegen England Zehnter wurde. 

"Ich bin enttäuscht, dass wir in der letzten Runde nicht gegen Peru gewonnen haben, aber trotzdem war das eine Olympiade mit richtigen Highlights für England - Siege gegen China und Aserbaidschan." 

Jorge Cori erzielte acht Siege in zehn Partien und erreichte damit eine Leistung von 2810 und die Bronzemedaille an Brett zwei. Stell dir vor was möglich gewesen wäre, wenn Julio Granda auch in Baku angetreten wäre, statt im chess24-Studio in Madrid zu sein. 

As bronze medallist on board 2 Jorge got to share the stage with Kramnik | photo: Maria Emelianova, Baku Chess Olympiad

15. Baku 2016 war eine tolle Olympiade

Die Olympiade in Baku wurde von allen Seiten gelobt - der Veranstaltungsort, die Unterkunft, die Organisation, die Bermuda Party und die Eröffnungs- und Abschlusszeremonie...

...während die Videoübertragung eine Qualität erreichte, wie sie wohl nur wenige Evens in der näheren Zukunft anbieten können. Auch war hilfreich, dass keine Präsidentenwahlen bei der FIDE anstanden, sodass alle Beteiligten sich aufs Schach fokussieren konnten. Jeder hatte eine tolle Zeit und es ist Zeit für ein Abschlusslied:

16. Die Anti-Cheating Maßnahmen müssen überdacht werden

Der einzige Streitpunkt waren neue Maßnahmen gegen Betrug, die von FIDE-Beauftragten und nicht von den lokalen Organisatoren ins Leben gerufen wurden. Anfänglich wurde von den Spielern erwartet, dass sie den Schiedsrichter informieren, sobald sie auf Toilette gehen. Dies haben die meisten von uns wohl das letzte Mal in der Grundschule tun müssen. Dagegen formierte sich Protest von Seiten der Spieler und zunächst schien es auch so, als würde die Regel aufgehoben werden. Es ist allein schon unschön, dass man beim Toilettengang automatisch als Cheater verdächtigt wird. Die einzige bekannte Person im Schach, welche der Idee etwas abgewinnen kann, ist wohl Silvio Danailov...

Im Allgemeinen zeigten die Regelungen eine Missachtung der Würde der Spieler und ihrer Bedürfnisse während einer Partie. Es fällt schwer, Nigel Short Empfindung nicht zuzustimmen (man mag über die Wortwahl streiten...) bezüglich zufälligen Durchsuchungen während einer Partie:

"Offizielle, welche es unterstützen Spieler WÄHREND einer Partie elektronisch zu untersuchen sind Idioten, die nichts vom Schach wissen."

17. Giri hat eine vielversprechende Karriere als Bollywood Tänzer vor sich

Wenn wir ein Fazit ziehen können wir natürlich Anish Giri nicht außen vor lassen. Anish spielte in jeder Runde und nach drei Siegen folgten acht Remis. Ähnlich erging es seinem Team der Niederlande, das nach famosem Start am Ende nur Rang 36 erlangte: 

"Nach dem Ruhetag fiel der niederländische Zug von den Gleisen. Ich habe ein paar Möglichkeiten ausgelassen und fühlte mich erschlagen. 

Aber das ist nicht der Grund, warum wir Giri thematisieren. Nun seht selbst, Giri der Tänzer:

"Giri vollführt einen indischen Bollywood-Tanz während jemand einen tamilisches Lied spielt."

18. Die USA werden noch stärker

Svidler is expecting big things from 15-year-old World Junior Champion Jeffery Xiong | photo: wjcc2016india.com

Jetzt da die Rivalen der USA ihre Wunden lecken ließ Peter Svidler verlauten, dass dies erst der Anfang sein könnte. Zum Teil inspiriert von einem Gespräch mit Garry Kasparov in St.Louis legte er folgendes dar: 

"Kurz vor der Olympiade fand die U20-Weltmeisterschaft statt, die bereits eine Runde vor Schluss von Jeffery Xiong gewonnen wurde. Bereits heute ist er ein sehr starker Spieler und bis 2018 erwarte ich, dass er ein vollwertiges Mitglied in der Nationalmannschaft ist. Ich habe viel Respekt für Shankland und Robson, aber ich glaube das Xiong noch eine Verstärkung darstellen könnte. Die USA treten gerade vermutlich in eine sehr vielversprechende Ära ein. In näherer Zukunft werden sie in jedem Team-Event eine sehr starke Mannschaft aufbieten. Alle Spieler in ihrem Team sind noch jung. Wahrscheinlich muss man Hikaru schon als "verdienten Staatsmann" ansehen dabei ist Hikaru noch gar nicht so alt."

So, das war jetzt alles zur Olympiade 2016. Am 26.September geht es bereits mit dem hochklassigen Schach weiter, wenn das Tal-Memorial beginnt. Für mehr Details schaut doch gerne in unseren Kalender. 

Natürlich kann dieser Artikel allein noch nicht die ganze Olympiade zusammenfassen. Was sind deine Schlussfolgerungen?

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